Schwellenländer Hoffnung für die Börse

An der Wall Street ist entweder Weihnachten oder alle springen aus dem Fenster, meinte kürzlich ein kundiger Beobachter. Doch in den Turbulenzen lohnt es sich, den Blick auf das große Ganze zu richten. Das Wachstum der Schwellenländer ermöglicht einen langfristigen Börsenaufschwung.

Stuttgart - Die Neuordnung des Wirtschaftssystems seit Anfang der 90er Jahre erlaubt es etwa 3,5 Milliarden Menschen in den neu industrialisierten Ländern Osteuropas, Asiens und Lateinamerikas, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und vorwärts zu streben. Dem gegenüber stehen ungefähr eine Milliarde Menschen in den Industrieländern USA, Kanada, Europa, Japan, Korea und Australien. Diese dreifache Einwohnerzahl wird im Laufe der Zeit eine beachtliche Wirtschaftskraft entfalten.

Die Verhältnisse sind der Situation beim Wiederaufbau Deutschlands und Japans nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1945 bis etwa 1970 nicht unähnlich. Damals war die Bevölkerungszahl der USA etwa 200 Millionen. Die aufzubauenden Länder Deutschland und Japan hatten zusammen etwas über 100 Millionen Einwohner. Dazu kamen dann noch vom Krieg teilweise zerstörte Teile Europas in England, Frankreich und Italien.

Damals standen ungefähr gleich viele Einwohner der aufzubauenden Länder denen der USA gegenüber. Heute ist das Verhältnis der Bevölkerung alter zur Bevölkerung neuer Industrieländer ungefähr 1 zu 3,5. Dies zeigt die langfristige Perspektive der gegenwärtigen Wirtschaftsentwicklung.

Grund für langfristigen Optimismus

Interessant ist ein Blick auf die Börsenentwicklung der Nachkriegszeit bis etwa 1970.

In dieser Zeit ist der Dow-Jones-Index  seit dem absehbaren Ende des 2. Weltkrieges im Jahr 1944 bis 1970 von circa 150 auf 850 Punkte gestiegen. Auch damals gab es Rezessionen. Diese waren aber nur kurz und brachten ähnlich geringe prozentuale Einbrüche, wie wir Sie in der jüngsten Vergangenheit erlebt haben. Zwischen August 1953 und Mai 1954 ist der Dow-Jones-Index um 15 Prozent gefallen. Zwischen September 1957 und April 1958 fiel er um 20 Prozent gefallen. Zwischen Mai 1960 und Februar 1961 ging es um 14 Prozent abwärts. Erst im Jahr 1970 ergab sich zwischen Januar und November ein größerer Rückgang um 35 Prozent.

Es zeigt sich also, dass auch in dieser im Rückblick goldenen Börsenzeit immer wieder Korrekturen um die 10 bis 20 Prozent stattgefunden haben und die große Bewegung unterbrochen, aber nicht abgebrochen haben. Die großen Einbrüche, die Trendwenden eingeläutet haben, waren die Ölkrisen ab 1973, denen eine neunjährige Baisse folgte, und der Zusammenbruch der Investitionen in Technologie von 2000 bis 2003. Die derzeitige Hypotheken- und Bankenkrise ist jedoch weit weg vom Ausmaß dieser Krisen.

Da wir heute weltwirtschaftlich in einer ähnlichen Phase sind wie damals, sollte sich der langfristig orientierte Investor die Erfahrungen der 50er und 60er Jahre genau ansehen und Kursschwächen, wie wir sie jetzt gesehen haben, zum Einstieg nutzen. Ob die jetzt laufende Erholung bereits die endgültige Erholung ist oder ob die Märkte noch einmal zurückfallen, lässt sich aus heutiger Sicht nicht beurteilen. Der Blick auf die großen Zusammenhänge, die damals und heute recht ähnlich sind, legt jedoch einen langfristigen Optimismus nahe.

Dr. Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH. Das Unternehmen unterliegt der Kontrolle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

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