Donnerstag, 27. Juni 2019

Finanzmarkt Der nächste Dominostein kippt

Nach Subprime und Conduit müssen die Anleger ein neues Schreckenswort lernen: Monoliner. So heißen Spezialversicherer in den USA, die einen Teil des Anleihenmarkts am Leben halten. Einige davon sind wegen der Kreditkrise ins Straucheln geraten und drohen, große Banken mit sich zu reißen.

Hamburg - Die Banken haben in den vergangenen Monaten viel Prügel dafür bezogen, dass sie erst nach und nach die in der Kreditkrise abgewerteten Papiere in ihren Büchern abschreiben. Außenstehende können kaum beurteilen, ob die Geldhäuser bewusst eine Erholung des Markts abwarten oder ob sie wirklich selbst überrascht sind, Quartal für Quartal neue Milliardenverluste aufdecken zu müssen.

Kettenreaktion: Immobilienpreise - klick, Hypotheken - klick, Kreditderivate - klick, Monoliner - klick ...
Für die zweite Erklärung spricht immerhin, dass der Markt sich fortwährend verschlechtert. Die Risikoaufschläge für Kreditpakete, die mit US-Hypotheken besichert sind, haben in dieser Woche Rekordniveau erreicht. Außerdem tauchen ständig neue Risiken auf, wo sie nur wenige vermuteten.

Die neuesten Angstmacher, mitverantwortlich für den Börsencrash der vergangenen Tage, sind scheinbar grundsolide Spezialversicherungen aus den USA.

Sie heißen Monoliner, weil sie zur Zeit ihrer Gründung in den 70er Jahren ein einziges Geschäft betrieben. Sie versicherten Schuldverschreibungen amerikanischer Gemeinden gegen möglichen Kreditausfall. Weil die Monoliner dabei kein großes Risiko eingingen, bekamen sie beste Bonitätsnoten. Und die gingen mithilfe von Credit Default Swaps (CDS) auch auf die kommunalen Anleihen über.

So konnten selbst Bonds mit zweitrangiger Kreditwürdigkeit, in Ausnahmefällen auch unter Investmentqualität, zu Topinvestments aufsteigen. Ein Gewinn für Investoren, Gemeinden und die Monoliner.

ABS-Geschäft fliegt Monolinern um die Ohren

Wären sie doch auf der Monoschiene geblieben. Seit Dezember stehen die Marktführer MBIA Börsen-Chart zeigen und Ambac Börsen-Chart zeigen unter strenger Beobachtung der Ratingagenturen. Fitch hat Ambac bereits das Gütesiegel AAA entzogen. Der Grund: Weil ihnen das Geschäft mit den Gemeinden zu wenig brachte, versicherten die Monoliner auch kompliziertere Kreditderivate - Asset Backed Securities (ABS), zum Teil unterlegt mit Hypothekendarlehen von US-Hausbesitzern. Diese ABS fliegen den Monolinern nun genauso um die Ohren wie allen Investoren.

Unicredit schätzt das Volumen der von Monolinern versicherten Anleihen auf 2,3 bis 2,7 Billionen Dollar weltweit. Davon machten mit dem US-Immobilienmarkt verbundene ABS vor der Krise knapp 250 Milliarden Dollar, also etwa ein Zehntel, aus. Genug, um die Zahlungsfähigkeit der meist kleinen Versicherungen infrage zu stellen. Ambac schrieb für das abgelaufene Quartal 5,3 Milliarden Dollar ab und verbuchte 3,3 Milliarden Dollar Verlust. Die Aktien von MBIA und Ambac sind seit dem Sommer um mehr als 90 Prozent eingebrochen, mit dem letzten großen Sturz Mitte Januar.

Ambac musste kurzfristig eine Kapitalerhöhung um eine Milliarde Dollar abblasen, die dazu gedacht war, das AAA-Rating zu erhalten. Mit der Topkreditwürdigkeit verlor Ambac auch seine Geschäftsgrundlage. "Ein Downgrade eines Monoliners führt automatisch zu einem Downgrade für die versicherten Papiere", erklärt Markus Ernst, ABS-Analyst der Unicredit. Das betreffe nicht nur die riskanten ABS, sondern alle von dem Monoliner gegebenen Garantien.

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