US-Wahl Wahljahre sind meist gute Börsenjahre

Das Jahr 2008 ist Wahljahr in USA. Wahljahre waren dort und in der Folge in den meisten anderen Börsen der Industrieländer fast immer gute Börsenjahre: Dies hat mit einem Tipp zu tun, den John Maynard Keynes 1932 Präsident Roosevelt gab.

Stuttgart - Eine der wenigen Ausnahmen war das Jahr 2000. Der Präsidentenzyklus geht zurück auf den Ökonomen Keynes, der dem Präsidenten Franklin Delano Roosevelt im Jahr 1932 gesagt hat: "Wenn Sie wiedergewählt werden wollen, müssen Sie im 3. Jahr Ihrer Präsidentschaft die Wirtschaft ankurbeln, am besten durch Zinssenkungen. Dann ist im 4. Jahr die Wirtschaft gut im Schwung, die Arbeitslosigkeit niedrig und die Menschen zufrieden. Dann werden Sie wieder gewählt." Falls ein Präsident nicht wieder gewählt werden kann, sollte dann wenigstens seine Partei wieder gewählt werden.

Dieses System hat seit über 70 Jahren mit ganz wenigen Ausnahmen gut funktioniert und entfaltet eine hohe Prognosekraft. Rein zufällig sinken meistens im Vorwahljahr die Zinsen und die Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. So auch diesmal wieder: Rein zufällig sind im Herbst 2007, etwas mehr als ein Jahr vor der Wahl im November 2008, die Zinsen in einer Flautephase der Wirtschaft gesenkt worden.

So wie es jetzt aussieht, wird die Wirtschaft pünktlich zur Mitte des Wahljahres wieder Fahrt aufnehmen. Dem Kandidaten der Republikaner sollte diese Entwicklung jedenfalls nicht schaden.

Börsenaufschwung dauert schon zu lang

Eigentlich sind 5 Jahre Hausse, die wir seit dem Tiefpunkt im Oktober 2002 erleben, schon durchschnittlich zu lang. Der normale wirtschaftliche Zyklus, nach dem sich der Börsenzyklus richtet, dauert im Durchschnitt 48 Monate. Seit 1942 gab es zehn Bullenmärkte, die im Durchschnitt knapp 60 Monate dauerten. Drei gingen immerhin noch länger, der längste 10 Jahre von 1990 bis 2000, allerdings unterbrochen von der kurzen Rezession im Golfkrieg im Herbst 1990 und Frühjahr 1991.

In den Wahljahren hat der S & P Index seit 1945 durchschnittlich 8,6 Prozent zugelegt. Nicht immer, aber in vier Fünfteln der Jahre ist er gestiegen. Noch interessanter sind die Jahre mit der 8 und dies immerhin seit 11 Dekaden: Seit 1945 haben sie durchschnittlich 14,2 Prozent zugelegt und das in 83 Prozent der Jahre.

Geprügelte Finanzwerte

Nach der verhaltenen Kursentwicklung im 2. Halbjahr 2007 besteht für das neue Jahr 2008 durchaus Nachholbedarf. Man darf nicht vergessen, dass die Krise seit dem Sommer 2007 nur die amerikanischen Hypothekenmärkte und die unvorsichtigen Banken getroffen hat. Allen anderen Branchen – und den vorsichtigen Banken - geht es rings um die Welt recht gut.

Besondere Chancen für 2008 versprechen genau die Verlierer von 2007: Große internationale Banken haben heute Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 6 bis 10 für 2008 bereits nach Revision der Gewinnschätzungen sowie Dividendenrenditen von 4% bis 6 %. Derartig günstige Werte gab es zuletzt 2003 und vorher in ähnlichen Bankkrisen 1998 und 1993.

Dr. Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH. Das Unternehmen unterliegt der Kontrolle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.