Bayer Beim Ergebnis schwächer

Durchwachsene Zahlen aus Leverkusen: Die Agfa-Ausgliederung hebt den Gewinn, doch unterm Strich wird Bayer unter dem Vorjahresergebnis bleiben. Erst 2000 soll es wieder aufwärts gehen.

Leverkusen - Bayer erwartet nach einer Geschäftsbelebung im dritten Quartal und bereinigt um den Agfa-Bereich ein Umsatzplus von fünf Prozent für das Gesamtjahr 1999. Der Konzerngewinn werde dank der Agfa-Ausgliederung das Vorjahresniveau deutlich übertreffen. Dennoch werde das operative Ergebnis das Vorjahresniveau wahrscheinlich nicht ganz erreichen.

Sorgen bereiteten die geringen Spielräume für Preiserhöhungen bei zugleich wachsenden Rohstoffpreisen. Zudem hätten sich die Forschungskosten um 21 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro erhöht.

Das wirtschaftliche Umfeld dürfte im kommenden Jahr deutlich besser sein als 1999 und auch als in der zweiten Jahreshälfte, hofft Vorstandschef Manfred Schneider. In Fernost rechnet er mit einer weiteren Steigerung.

Ohne Agfa verringerte sich das operative Ergebnis in den ersten neun Monaten des Jahres um sechs Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Bereinigt um Agfa legte das Ergebnis dagegen um 29 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro und der Konzerngewinn sogar um 80 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu.

Die Aktionäre sollen in diesem Jahr trotzdem eine höhere Dividende erhalten. Im Vorjahr hatte Bayer zwei Mark pro Aktie gezahlt. Die höhere Zahlung soll aus dem erwarteten Gewinn des Agfa-Verkaufs finanziert werden.

Auch den Rest von Agfa verkaufen

Wenn der Kurs von Agfa zulegt, will sich Vorstandschef Schneider auch von den noch gehaltenen restlichen 30 Prozent an Agfa trennen. "Wir sind nicht bereit, Minderheitsbeteiligungen zu führen."

Geld in die Kasse kommt auch mit dem Verkauf von 10.000 Werkswohnungen an die Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten in Essen. Vorstand Hans-Jürgen Mohr sagte, der Verkauf solle bis Ende November perfekt sein. Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Zukauf in den USA

Bayer kündigte außerdem den Ausbau des Bereiches Polymere an. Für 2,45 Milliarden Dollar erwirbt der Chemiekonzern das Polyolgeschäft des US-Herstellers Lyondell Chemical Company sowie auch einen Anteil an der Produktion des Vorproduktes Propylenoxid. Der Kauf soll Einsparungen von 200 Millionen Dollar pro Jahr ermöglichen. Demgegenüber stünden Einmalaufwendungen von ebenfalls in gleicher Höhe, sagte Vorstandsvorsitzender Manfred Schneider.

Zur Konzernstrategie bekräftigte Schneider seine Haltung, für Kooperationen oder weitere Akquisitionen bereit zu sein. Übernahmen müßten sich betriebswirtschaftlich aber lohnen. "Wir stehen nicht unter Druck", sagte Schneider. Ausschließen wollte er aber eine Übernahme durch einen Konkurrenten. "Bayer wird nicht geschluckt werden. Wir fühlen uns in einer sehr gesicherten Position." Die Konglomerat-Struktur von Bayer sei für die meisten US-Unternehmen zum Beispiel uninteressant.

Polymere und Chemie schwach, Diagnostik und Pharma gut

Das umsatzstärkste Arbeitsgebiet Polymere verzeichnete ein leichtes Umsatzplus auf 6,82 (6,75) Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Sonderposten sank dagegen. Als Ursache nannte der Konzern die anziehenden Rohstoffpreise und den Preisverfall bei der Faser Dralon und dem Kunststoff ABS.

In der Chemie gingen sowohl Umsatz als auch Ergebnis leicht zurück. Diese Sparte sei von der nur zögerlich anspringenden Konjunktur am stärksten betroffen.

Mit einem Plus von 21 Prozent sei dagegen die Sparte Gesundheit am stärksten gewachsen. Dabei habe der Bereich Diagnostika mit einem Plus von 59 Prozent besonders kräftig zugelegt. Deutlich besser als der Weltmarkt habe sich das Pharmageschäft mit einer Steigerung um 18 Prozent entwickelt. Das operative Ergebnis vor Sonderposten in der Gesundheitssparte stieg auf 740 (673) Millionen Euro.