Bankgesellschaft Berlin Risiken marktnäher bewerten

Das angeschlagene Institut konnte die Risikovorsorge etwas herunterfahren und den Ertrag verdoppeln. Wertberichtigungen in Milliardenhöhe stehen aber noch aus. Der Verkauf der Direktbank zieht sich hin.

Berlin - Die Bankgesellschaft Berlin AG hält nach den milliardenschweren Wertberichtigungen im Kreditgeschäft die Risikovorsorge inzwischen für beherrschbar. Die Risikostruktur habe sich zunehmend stabilisiert, sagte Vorstandschef Wolfgang Rupf am Dienstag in Berlin bei der Vorlage der Neunmonatszahlen.

Auch unter Einbeziehung möglicher Kreditausfälle beim angeschlagenen Baukonzern Holzmann werde die Risikovorsorge 1999 im Rahmen der Erwartungen von weniger als einer Milliarde Mark liegen. Nach der fehlgeschlagenen Fusion mit der NordLB (Hannover) bekräftigte Rupf, dass das Institut nach wie vor ein idealer Partner auf dem künftigen Bankenmarkt sei.

In den ersten neun Monaten hat die Bankgesellschaft die Risikovorsorge deutlich gesenkt und den Ertrag erhöht. Das Ergebnis vor Steuern hat sich auf 332 Millionen Euro (rund 650 Millionen Mark) nahezu verdoppelt.

Das Betriebsergebnis ging wegen geringerer Erträge im Finanzgeschäft aber um 20,7 Prozent auf 288 Millionen Euro zurück. Für 1999 erwartet Rupf ein "angemessenes Ergebnis" und damit nach dem Dividendenausfall für 1998 wieder eine Ausschüttung. Für 1999 werde von einer Dividende auf dem Niveau von 1997 in Höhe von 1,10 Mark je Fünf-Mark-Aktie ausgegangen.

Die Kreditrisikovorsorge ging im Vergleich zum Vorjahr um 41 Prozent auf 384 Millionen Euro zurück. Eine spürbare Entlastung habe es vor allem im Firmenkundengeschäft gegeben. Im Immobiliengeschäft befinde sie sich noch auf hohem Niveau. Von der bisherigen Vorsorge nach neun Monaten entfielen 60 Prozent auf den Immobilienbereich.

Nach einer Bewertung des gesamten Kreditvolumens wisse die Bankgesellschaft jetzt, welche Risiken bestehen. Diese seien beherrschbar. Von den rund 102 Milliarden Euro Kundenforderungen seien knapp zwei Prozent als risikobehaftet eingestuft worden.

Für die Jahre 2000 und 2001 schloss Rupf aber weitere Wertberichtigungen von zusammen 1,5 Milliarden Mark nicht aus. Seit dem Start des Bankenkonzerns 1994 sei eine addierte Risikovorsorge von sechs bis acht Milliarden Mark aufgelaufen. Die Vorfälle um die Altlasten bei der Hypovereinsbank in München bezeichnete Rupf als Zäsur. Künftig würden Kreditrisiken näher am Markt bewertet.

"Der Konzern Bankgesellschaft Berlin ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres gut voran gekommen", sagte Rupf. Die Neuausrichtung sei in weiten Bereichen abgeschlossen. Der Verkauf der Allbank AG, der zweitgrößten reinen Privatkundenbank in Deutschland, zieht sich dagegen weiter hin. Eine endgültige Entscheidung sei im ersten Quartal 2000 zu erwarten. Derzeit werde noch mit zwei bis drei Interessenten verhandelt.

Die Gespräche gestalteten sich schwierig. Das Geschäft solle aber zu einem angemessen Wert verkauft und auch den Beschäftigten eine Perspektive gegeben werden. Sollte keine Entscheidung fallen, werde die Allbank notfalls auch behalten.

Zum Internet-Bankgeschäft sagte Rupf, bis Ende 2000 müssten hier "qualifizierte Erfolge" vorliegen. Der Erwerb einer Direktbank oder einer Internet-Bank stehe jedoch nicht an. Vielmehr werde es ein Call-Center in Berlin geben. In zwei bis drei Jahren müsse im Electronic-Banking der Anschluss geschafft werden. Die Pläne des Sparkassen-Sektors für eine gemeinsame Abwicklung von Wertpapier-Handelsgeschäften wolle die Bankgesellschaft, die private und öffentlich-rechtliche Institute vereint, prüfen. Bei entsprechenden Marktkonditionen sei eine Teilnahme denkbar. Entschieden werde darüber Mitte 2000.