Börsen Dax schlägt Dow Jones um Längen

Trotz Immobilien- und Kreditkrise hat der US-Leitindex Dow Jones auf Jahressicht ein Plus von rund 6 Prozent gerettet. Anleger, die auf den Dax setzten, haben deutlich mehr erzielt. Besonders US-Finanzwerte wie die Citigroup kamen unter die Räder und bieten nun Einstiegschancen für ausländische Investoren.

New York – Die US-Börsen haben den letzten Tag des Jahres nach einem ruhigen Handel mit Verlusten beendet.

Der Dow Jones  fiel um 0,7 Prozent auf 13 264 Punkte. Der S&P-500-Index gab um 0,69 Prozent nach auf 1486 Punkte. Der Nasdaq sank um 0,8 Prozent auf 2652,28 Punkte, der Nasdaq Composite  gab um 1,0 Prozent auf 2084 Zähler nach.

Der Ölpreis notierte am Montag weiter über der Marke von 96 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Euro fiel deutlich auf 1,4592 Dollar gegenüber 1,4716 Dollar am Freitagabend. In Frankfurt wurde an Silvester nicht gehandelt.

Dax hängt Dow ab

Der Dax  beschloss das Aktienjahr 2007 bei 8067 Punkten und damit nur knapp unter Rekordhoch. Mit einem Kursplus von rund 22 Prozent im Jahr 2007 zählt der deutsche Leitindex zu den stärksten Indizes des vergangenen Jahres: Anleger, die im Januar 2007 ein Dax-Zertifikat kauften und das Papier trotz der Kursturbulenzen ab Sommer 2007 im Depot behielten, haben mehr als dreimal so viel Rendite eingestrichen wie diejenigen, die auf ein Dow-Zertifikat gesetzt haben.

Doch trotz der Immobilien- und Kreditkrise beendeten auch die US-Indizes das alte Börsenjahr mit einem Plus. Der US-Leitindex Dow Jones  legte auf Jahressicht 6,4 Prozent zu, der breitere S&P 500 gewann 3,5 Prozent, der Nasdaq knapp 10 Prozent hinzu.

US-Technologiewerte haben Standardwerte im vergangenen Jahr abgehängt, sind aber immer noch deutlich von ihren Bewertungen aus dem März 2000 entfernt. Der Dow Jones dagegen erreichte Anfang Oktober 2007 kurzzeitig ein Rekordniveau, als er die Marke von 14.000 Zählern überstieg.

Energiesektor gefragt, Finanztitel schwach

Energiesektor gefragt, Finanzsektor schwach

Am besten schnitten in diesem Jahr in den USA Energie- und Rohstoffkonzerne sowie Technologieunternehmen ab. Im Energiesektor ging es um rund 30 Prozent nach oben.

Die Finanzbranche trug dagegen wegen der massiven Krise an den Immobilien- und Kreditmärkten die rote Laterne an der US-Börse. Ihre Aktien verloren rund 20 Prozent an Wert. Börsengiganten taumelten wegen der Finanzmarktkrise: Allein der größte US-Finanzkonzern Citigroup  vernichtete 2007 fast die Hälfte seines Börsenwerts von jetzt noch 147 Milliarden Dollar (101 Mrd Euro).

Zu den größten Gewinnern unter den Technologiewerten gehörten dagegen Apple  mit einem Kursplus von mehr als 130 Prozent und der Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM)  mit einem Aufschlag von 125 Prozent.

Auch 2008 wird nicht einfach

Analysten erwarten ein von starken Schwankungen geprägtes Aktienjahr 2008: Das erste Quartal dürfte von der Frage geprägt sein, wie stark die Probleme an den Immobilien- Finanzmärkten auf die reale Wirtschaft übergreifen und ob die US-Wirtschaft in der Folge in eine Rezession rutscht. In diesem Fall dürfte die US-Notenbank mit weiteren Leitzinssenkungen dagegenhalten.

Viele Anleger setzen darauf, dass im Finanzsektor inzwischen das Gröbste überstanden ist. Viele Kreditinstitute haben im dritten und vierten Quartal milliardenschwere Abschreibungen vorgenommen und sich damit etwas Luft für das neue Jahr verschafft. Zudem haben die Notenbanken EZB und Fed mehrfach signalisiert, dass sie im Fall einer Kreditklemme den Markt großzügig mit Liquidität versorgen werden.

Mehr Häuserverkäufe zum Jahresausklang

Zum Jahresschluss gab es erneut Besorgnis erregende Daten vom US-Häusermarkt. In den USA ist der Verkauf von Neubauten stärker gefallen als erwartet. Die Zahl der Neubauverkäufe war im November im Vergleich zum Vormonat um 9,0% auf einen saisonbereinigten Jahreswert von 647.000 gefallen. Ökonomen hatten im Durchschnitt mit einem Minus von nur 1,8% gerechnet.

Investoren wittern Einstiegschancen

Citigroup: Aktienwert halbiert

Zu den US-Werten, die besonders stark unter der Subprime-Krise gelitten haben, zählen große Investmentbanken wie die Citigroup  und Merrill Lynch . Beide Institute belasten Abschreibungen in Milliardenhöhe. Für ausländische Staatsfonds bietet sich durch die Krise derzeit eine gute Gelegenheit, bei US-Finanzinstituten einzusteigen.

Merrill Lynch sucht einem Pressebericht zufolge nach dem milliardenschweren Einstieg zweier Investoren weitere Geldgeber. Zudem ist das Unternehmen von früheren Aktionären der von ihr übernommenen First Republic Bank verklagt worden. Merrill Lynch habe während des Kaufs in diesem Jahr ihre anstehenden milliardenschweren Verluste durch die Kreditkrise verheimlicht, heißt es US-Medienberichten zufolge in der Klage.

Investoren unterwegs: Kerkorian steigt bei Delta ein

Aber auch andere Investoren sind derzeit am Markt aktiv. Der US-Investor Kirk Kerkorian zum Beispiel, der erst jüngst seine Beteiligung am krisengeschüttelten Autobauer General Motors wieder abgebaut hat, will 35 Prozent an dem Ölkonzern Delta Petroleum kaufen. Die Aktien von Delta stiegen am letzten Handelstag des Jahres um rund 20 Prozent - damit hat zumindest diese US-Aktie beinahe den Dax erreicht.

Ausblick 2008: Das Risiko-Puzzle

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