Thyssen Krupp Strategisch neu orientieren

Gerhard Cromme will den Stahlkonzern von 23 auf sechs Geschäftsfelder konzentrieren, zwölf Milliarden Mark in den Unternehmens-Umbau investieren und den Stahlbereich im nächsten Jahr an die Börse bringen.

Düsseldorf - Die Thyssen Krupp AG will sich strategisch neu ausrichten. Dazu will das Unternehmen seine Geschäftsaktivitäten bündeln und die bislang 23 Geschäftsbereiche neben Stahl auf sechs Kerngeschäfte sowie Immobilien reduzieren.

Zugleich meldete der Konzern leicht enttäuschende Zahlen für das Geschäftsjahr 1998/99 (30. September). Auftragseingang von rund 62 Milliarden und der Umsatz von rund 63 Milliarden Mark liegen jeweils leicht unter den Vorjahreswerten.

Ziel des Umbaus sei es, das Produktionsgeschäft im ThyssenKrupp Konzern um produktnahe Dienstleistungsaktivitäten mit hohem Wertschöpfungspotenzial zu erweitern. Dazu gehöre auch der Einstieg in den Bereich e-Commerce.

Thyssen Krupp will nach eigener Darstellung in den kommenden drei Jahren zwölf Milliarden Mark investieren. Für Aktivitäten im Umfang von über zehn Milliarden Mark suchen die beiden Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens, Gerhard Cromme und Ekkehard Schulz, Entwicklungsmöglichkeiten außerhalb des Thyssen Krupp Konzerns.

Stahl soll sich selbst mit Kapital versorgen

Im kommenden Jahr soll ThyssenKrupp Steel im an die Börse gebracht werden. Von der geplanten Platzierung von 25 bis 35 Prozent werde ein Teil der Aktien aus dem Besitz der Thyssen Krupp AG zur Verfügung gestellt, ein weiterer Teil werde aus einer Kapitalerhöhung stammen.

Mit dem Börsengang werde Liquidität sowohl im Konzern als auch im Stahlbereich gebildet. Damit soll ThyssenKrupp Steel in die Lage versetzt werden, im weltweiten Wettbewerb eine führende Rolle einzunehmen.

Neues Organigramm

Mit der Zusammenfassung von Unternehmens- und Geschäftsbereichen soll die Organisationsstruktur der Fokussierung auf die Kerngeschäfte angepasst werden. Des weiteren soll die Konzern-Rechnungslegung mit Beginn des neuen Geschäftsjahres (1. Oktober 1999) auf US-GAAP umgestellt und damit die interne und externe Transparenz erhöht werden. Ein Long Term Management Incentiveplan für rund 200 Führungskräfte werde sich, wie es weiter heißt, an der relativen und absoluten Performance der ThyssenKrupp-Aktie orientieren. Dieser kapitalmarktorientierte Leistungsanreiz soll die Umsetzung der Konzern-Neuausrichtung beschleunigen.

Die Pläne will der Vorstand dem Aufsichtsrat des Unternehmens in seiner Sitzung am 3. Dezember vorschlagen.

Für den ThyssenKrupp Konzern werden mittelfristig als Zieleckgrößen genannt: Ergebnis vor EE-Steuern über drei Milliarden Mark, Konzern-ROCE über 15 Prozent, Eigenkapitalrendite über 30 Prozent, Wertbeitrag über eine Milliarden Mark, Free-Cash-Flow (nach Dividende) über 1,5 Milliarden und Gearing unter 60 Prozent.

Das HGB-Ergebnis vor Steuern im vergangenen Geschäftsjahr werde deutlich über einer Milliarden Mark liegen und die Ausschüttung einer "angemessenen Dividende" (auf Grund steuerlicher Gegebenheiten ohne Steuergutschrift) ermöglichen.