Sonntag, 15. Dezember 2019

Ausblick 2008 "Dax von 10.000 Punkten angemessen"

Wo steht der Dax in einem Jahr? Angesichts der noch nicht ausgestandenen Kreditkrise sind die meisten Börsianer vorsichtig aber zuversichtlich gestimmt - ein Plus von bis zu 10 Prozent trauen sie dem Leitindex zu. Manche dagegen zeigen sich deutlich mutiger.

Berlin - Der Düsseldorfer WGZ mangelt es nicht an Optimismus: 10. 000 Punkte sagt sie für den Deutschen Aktienindex Dax im kommenden Jahr voraus. 8715 Punkte prognostiziert Matthias Schrade, Chefanalyst bei GSC Research und sagt: "Den Anlegern steht ein gutes Börsenjahr bevor." Einer Umfrage zufolge trauen Investoren dem Dax im Schnitt ein Plus von bis zu 10 Prozent zu.

Dax 10.000? Na, dann mal Prost! Die meisten Börsianer bleiben mit ihren Schätzungen allerdings verhalten.
Im laufenden Jahr haben die deutschen Börsen nur noch wenige Handelstage zu absolvieren. Das Geschäft ist weitgehend gelaufen und die Bücher geschlossen. Seit Jahresbeginn hat der Dax rund 20 Prozent zugelegt.

Schrade erläutert, 10 Prozent seien für den Dax insgesamt zwar nur ein "gemäßigter Wertzuwachs", angesichts der Unwägbarkeiten und Risiken sei dieser Wert aber durchaus positiv zu bewerten. "Das Thema Subprime wird die Anleger noch eine Weile beschäftigen und eines der Hauptthemen an den Märkten sein." Er prophezeit, dass die Krise am US-Hypothekenmarkt für Titel mit schlechter Bonität (Subprime) die Anleger "noch drei bis sechs Monate" belasten dürfte. "Nachhaltige Auswirkungen auf die Konjunktur sind aber nicht zu erwarten", unterstrich der GSC-Chef-Analyst.

Auch das Thema Preisauftrieb, aufgrund eines "anhaltend hoch bleibenden Ölpreises", werde die Anleger beschäftigen. Aber von dieser Seite seien keine "richtigen Probleme" zu erwarten: "Die Entwicklung in diesem Jahr könnte sich - aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung - als Ausreißer nach oben erweisen."

Was die Wirtschaft und Kurse stützen wird

Unterstützung für die deutsche Konjunktur und damit auch für die Aktienkurse erwarten Volkswirte von den weiter boomenden Volkswirtschaften der Schwellenländer - allen voran China. "Diese Staaten können mit ihrem Wachstum die Belastungen durch die US-Konjunktur abfedern", betont Jürgen Michels, Deutschland-Chefvolkswirt der Citigroup.

Zu einer weiteren Stütze wird sich Prognosen zufolge der private Konsum entwickeln, in den vergangenen Jahren die Achillesferse der deutschen Konjunktur. Der Anteil der Löhne am Volkseinkommen werde 2008 wieder zunehmen, sagen die Experten der WestLB voraus. "Auf dieser Einschätzung beruht unsere Prognose, dass der Konsum zur tragenden Säule des Aufschwungs wird."

Die Anleger gehen dann auch zuversichtlich ins neue Jahr: Der Großteil rechnet mit einem durchschnittlichen Wertzuwachs 2008 beim Dax von bis zu 10 Prozent. Das ergab eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Börsen Hamburg-Hannover unter 500 Wertpapierbesitzern.

WGZ Bank zeigt sich besonders optimistisch

230 vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim befragte Finanzmarktexperten zeigen sich zurückhaltender. Mit ihrem durchschnittlichen Ziel von 8156 Zählern liegen sie nur rund zwei Prozent über dem derzeitigen Dax-Stand von etwa 8000 Zählern.

Am optimistischten blickt die WGZ Bank ins Börsenjahr 2008: Aktienstratege Dietmar Wiggermann schätzt die Gewinnperspektiven der deutschen Wirtschaft "weiterhin positiv" ein und geht von einer Steigerung der Unternehmensgewinne von 5 bis 10 Prozent aus. Während sich für Banken und Versicherungen niedrigere Ergebnisse abzeichnen, erwartet Wiggermann für die Aktien der Energieversorger sowie für Konsumwerte und Automobilhersteller zweistellige Gewinnsteigerungen.

"Angesichts der niedrigen Renditen am Anleihemarkt ist eine deutlich höhere Bewertung der Aktien angebracht. Somit wäre ein Dax-Stand von rund 10.000 Punkten angemessen", betont Wiggermann.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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