Kreditkrise Kritik an den Notenbanken

Scharfe Kritik am Verhalten der meisten großen Notenbanken in der Finanzkrise hat Jim O’Neill, der Chefvolkswirt von Goldman Sachs, geübt. Die EZB lobt er dagegen für ihr umsichtiges Handeln.

Hamburg - Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL sagte der Ökonom Jim O’Neill, Zentralbanken sollen "endlich mit dem Unsinn aufhören, zu zögerlich vorzugehen oder gar nichts zu machen – aus Angst, die Marktteilnehmer könnten in den Glauben verfallen, die Notenbanken würden sie aus jeder Situation retten".

Lediglich die Europäische Zentralbank habe in der Krise umsichtig gehandelt und Führung bewiesen. Laut O’Neill befinde sich das weltweite Finanzsystem in einem "sehr ernsten Test" – und in dieser Situation seien die Märkte vollständig von den Zentralbanken abhängig.

O’Neill sagt auch ein Ende des Dollar-Niederganges voraus. Zwar würden die USA ihre Währung vorsätzlich schwächen, um ihre Schulden abzubauen – doch O’Neill glaubt, "dass Washington langsam Angst bekommt, dass ein schwacher Dollar seinen Status als weltweite Reservewährung verlieren könnte".

Der Goldman-Sachs-Chefvolkswirt kritisierte im SPIEGEL zudem die deutsche Politik. Sie habe den Fokus zu wenig auf eine Stärkung des Konsums gelegt – die "geradezu lächerlich" starken Exporte machten die deutsche Wirtschaft sehr anfällig für wirtschaftliche Schwierigkeiten im Rest der Welt. "Das macht absolut keinen Sinn für mich", so O’Neill.

manager-magazin.de

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.