Bulthaupt-Kolumne Dollar bleibt schwach

Die Verwerfungen am amerikanischen Immobilienmarkt spielen eine zentrale Rolle für den wirtschaftlichen Ausblick. Das Ausmaß der Krise wurde bisher mehrfach unterschätzt. Die US-Konjunktur und damit auch der Dollar könnten 2008 weiter unter Druck geraten.
Von Frank Bulthaupt

Die Verwerfungen am US-Immobilienmarkt spielen eine zentrale Rolle für den wirtschaftlichen Ausblick 2008. Das Ausmaß der Krise wurde bisher mehrfach unterschätzt. Negative Überraschungen wirkten wiederholt auf die Finanzmärkte ein und drückten die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Finanzdienstleister in den einstelligen Bereich. Demgegenüber wurden in der Realwirtschaft kaum Bremsspuren sichtbar. Allerdings stehen hier die Belastungen noch bevor.

So ist zu erwarten, dass der Preisverfall am US-Immobilienmarkt die Defaults der Haushalte, die (etwa aufgrund ihrer Kredithistorie) ihre Immobilie im Subprime-Segment finanzierten, trotz staatlicher Hilfen weiter ansteigen lässt. In diesem Segment halten viele Immobilienbesitzer kein Finanzvermögen, das helfen könnte, die Krisensituation abzuwenden.

Vor diesem Hintergrund sind in den kommenden vier Quartalen spürbare Belastungen für den privaten Konsum vorgezeichnet. Hinzu kommt der mittlerweile stark gestiegene Ölpreis, dessen gesamtwirtschaftliche Wirkung verzögert eintreten wird und über das gesamte Jahr 2008 die konjunkturelle Dynamik belastet. Die daraus resultierenden Wachstumsverluste sind auf einen halben Prozentpunkt zu kalkulieren.

Überdies spricht vieles für eine nachlassende Investitionstätigkeit: Neben der Talfahrt im Wohnungsbau werden verschlechterte Finanzierungsbedingungen die Unternehmensgewinne dämpfen und Investitionsentscheidungen beeinträchtigen.

Insgesamt ist für 2008 bei einer geringen gesamtwirtschaftlichen Dynamik, die allenfalls von den Exporten gestützt wird, von einem realen US-BIP-Wachstum von 1,5 Prozent auszugehen. Diese Entwicklung dürfte von Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve bis auf 3,5 Prozent begleitet sein.

Euro-Raum robust

Euro-Raum robust - Keine Zinsschritte der EZB

Demgegenüber präsentiert sich die Entwicklung im Euro-Raum, insbesondere in Deutschland, als vergleichsweise robust. Die Arbeitsmärkte befinden sich in einer guten Verfassung und stützen über eine verbesserte Einkommenssituation auch 2008 den privaten Konsum.

Überdies sind die deutschen Haushalte in der Lage, durch eine Normalisierung der zuletzt angestiegenen Sparquote die Nachfrage zu festigen (Sparquote Deutschland: 10,9 Prozent, USA: 0,5 Prozent). Die Investitionstätigkeit bleibt infolge des Auslaufens steuerlicher Anreize zunächst rückläufig, sollte aber in der zweiten Jahreshälfte angesichts der hohen Kapazitätsauslastung zulegen.

Das Wirtschaftswachstum Deutschlands für 2008 wird in diesem Umfeld weniger schwungvoll als 2007 verlaufen. Angesichts des Ölpreisanstiegs (in Euro) und der Belastungen im Außenhandel dürfte das Wirtschaftswachstum nur noch bei 2 Prozent liegen.

Für die EZB besteht 2008 kein Anlass zu Zinsänderungen. Im Umfeld einer gestiegenen Kerninflationsrate, zunehmenden Inflationsunsicherheiten sowie erhöhten Inflationserwartungen wären Zinssenkungen das falsche Signal an die Märkte.

Welche Konsequenzen sind für den Greenback zu erwarten? Gegenwärtig ist eine faire Bewertung bei 1,40 Dollar pro Euro zu veranschlagen. Im Umfeld einer fragilen konjunkturellen Entwicklung in den USA und einer vergleichsweisen robusten wirtschaftlichen Verfassung des Euro-Raums wird der Dollar 2008 unter Druck geraten. Zusätzlich geht ein nachlassendes Engagement der Notenbanken Chinas und anderer Schwellenländer in US-Staatsanleihen zulasten des Dollar-Wechselkurses.

Das wohl abnehmende US-Leistungsbilanzdefizit wird insofern den Kurs des Greenback nicht sichtbar entlasten. Bei negativen US-Konjunkturnachrichten und einem Zinsvorteil des Euro-Raums werden die Devisenmärkte wieder die letzten Höchststände von 1,50 Dollar pro Euro testen.

Mehr lesen über