Freitag, 19. Juli 2019

Dax-Geflüster Das Hütchenspiel der Banken

Die Milliardenabschreibungen von UBS und Citigroup haben neue Maßstäbe in der Bankenkrise gesetzt. Erst nach und nach kommt das Ausmaß der faulen Kredite zum Vorschein. Deutsche Geldhäuser haben bisher verdächtig wenig preisgegeben. Was kommt da noch?

Schwindelfrei sollte sein, wer sich mit den Bilanzen internationaler Großbanken befasst. Das gilt sowieso immer, in der aktuellen Kreditkrise aber besonders. Die Meldung aus Zürich von dieser Woche lässt die öffentliche Aufregung um den deutschen Lotto-Jackpot wie ein Kinderspiel erscheinen: Die UBS Börsen-Chart zeigen schreibt in diesem Quartal mal eben zehn Milliarden Dollar an Kreditforderungen ab. Der erste Jahresverlust in der Geschichte des Instituts steht bevor.

Frankfurter Bankenviertel: Unter welchem Turm liegt das Risiko versteckt?
Die Börse hat die Zahl mit zehn Nullen einigermaßen gefasst zur Kenntnis genommen und den Blick nach vorn, auf den Einstieg eines Staatsfonds aus Singapur gerichtet - wohl auch, weil sie sich allmählich an Schreckensmeldungen von den Banken gewöhnt hat.

Fast alle Wall-Street-Banken haben nach und nach Milliardenforderungen aus ihren Büchern gestrichen, obwohl es zwischendurch immer wieder hieß, jetzt lägen die Karten aber endgültig auf dem Tisch. In der kommenden Woche stehen rechtzeitig zu Weihnachten wieder einige Quartalsergebnisse zur Veröffentlichung an. Da wäre es eine Überraschung, wenn es keine Überraschung gäbe.

ABC der Kreditpakete

ABS
Asset Backed Securities sind Wertpapiere, die mit Vermögenswerten unterlegt sind. Banken fassen ihre Kreditforderungen in ABS zusammen, verkaufen sie weiter und finanzieren so die Kredite. Besonders Mortgage Backed Securities (MBS, mit Hypotheken unterlegte Wertpapiere) leiden wegen der US-Immobilienkrise unter Wertverlusten.

CDO
Collateralized Debt Obligations heißen Kreditpakete, die ABS oder andere Schuldverschreibungen zusammenfassen. Die Investoren erwerben nicht die in den ABS enthaltenen Forderungen selbst, sondern Tranchen der CDOs, die nach Ausfallrisiko gestaffelt sind.

SIV
Structured Investment Vehicles, auch Conduits genannt, sind meist von Banken gegründete Zweckgesellschaften, die den Banken ihre Forderungen abkaufen und zu ABS oder CDO bündeln. Sie finanzieren sich mit kurzfristigen Schuldverschreibungen, Commercial Papers, und verdienen an der Zinsdifferenz. Seit dem Spätsommer finden sich jedoch kaum noch Käufer für die Commercial Papers.
Bankaktien werden an der Börse seit dem Sommer mit einem Risikoabschlag bestraft. Die Erholung, die Dax Börsen-Chart zeigen und Co. inzwischen hinter sich haben, ging an den Finanztiteln vorbei. Wenn die Kreditinstitute weiter gut verdienen, ist jetzt eine günstige Gelegenheit zum Aktienkauf. Falls sich die Krise aber fortsetzt und die ganze Branche den Weg der UBS geht, bekommen die vorsichtigen Anleger Recht. Vielleicht sind die Kurse dann sogar noch zu hoch.

Niemand weiß, wie viel die Banken noch abschreiben müssen - nicht einmal die Banken selbst. Denn die Kreditkrise hat, ausgehend von den Problemen auf dem US-Häusermarkt, eine Eigendynamik bekommen. Eigentlich wertvolle Forderungen, von den Banken in Paketen wie ABS (Asset-backed Securities) oder CDO (Collateralized Debt Obligations) gebündelt, werden plötzlich wertlos.

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