Merrill Lynch "Zinssenkungen sind kein Allheilmittel"

Anleger gehen davon aus, dass die US-Notenbank am morgigen Dienstag die Zinsen um mindestens 25 Basispunkte senkt. Die US-Investmentbank Merrill Lynch sieht darin aber kein Allheilmittel, sondern eher ein Alarmsignal.

Frankfurt am Main – Eine Zinssenkung der US-Notenbank am morgigen Dienstag ist am Markt bereits fest eingeplant. Die Mehrheit der Investoren hofft, dass die Fed außerdem Signale für weitere Zinserleichterungen in den nächsten Monaten aussendet. Sowohl Dax  als auch Dow Jones  haben auf Grund dieser Aussicht in den vergangenen Tagen wieder zugelegt - außerdem motiviert viele Anleger die Hoffnung auf Kursgewinne zum Jahreswechsel zu spekulativen Käufen.

Die Party könnte allerdings kurz sein. Analysten von Merrill Lynch  warnen davor. die Zinssenkungen als Allheilmittel für die Hypothekenkrise anzusehen. Weder die Aktionen der Zentralbank noch das Rettungspaket für den Häusermarkt würden die bestehenden Probleme schnell löse. Die Tatsache, dass die Zinsen gesenkt würden, obwohl die Inflationsdaten eigentlich das Gegenteil erforderten, sei ebenso ein Alarmsignal wie das Einfrieren der Hypothekenzinsen in den USA.

Nach Meinung der Analysten von Merrill Lynch drohe ein Kursrückschlag, wenn die US-Notenbank die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt und die Unternehmen aufgrund der lahmenden Konjunktur ihre Gewinnerwartungen revidieren müssten.

UBS: Gewinnwachstum dürfte sich verlangsamen

Auch die Volkswirte der UBS  warnen vor einer Eintrübung der Gewinnentwicklung. Diese sei in den vergangenen Jahren eine zentrale Unterstützung der Aktienmärkte gewesen. In Europa, den USA und Japan tendieren die Gewinnschätzungen aber für die nächsten zwölf Monate nur noch seitwärts.

Der immer noch im Verhältnis zum US-Dollar deutlich feste Euro sowie der auf Jahressicht sehr hohe Ölpreis seien nicht zu unterschätzende Bremsklötze für die Gewinnaussichten der Unternehmen. Da die Kreditkrise bei weitem noch nicht ausgestanden sei, rechnen die Strategen nicht mit einer Fortsetzung der Rallye der vergangenen Tage bis in das erste Quartal hinein.

Handelsbilanz und Inflationsdaten

Der US-Zinsentscheid am Dienstag ist der wichtigste Börsentermin in dieser Woche. Außerdem am Dienstag meldet das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung seine Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Eurozone (ZEW-Indikator). Die Experten der Helaba gehen davon aus, dass sich der Indikator, der auf den mittelfristigen Erwartungen von Analysten und institutionellen Anlegern bezüglich der Konjunkturaussichten für die nächsten sechs Monate basiert, leicht verbessert hat.

Am Mittwoch veröffentlicht das US-Wirtschaftsministerium die Handelsbilanz für Oktober. Die Mehrheit der von Bloomberg befragten Volkswirte erwartet ein leicht rückläufiges Defizit in der Handelsbilanz, da der schwache Dollar US-Exporte stützt. Im Oktober sank das Minus von 57,6 auf 56,5 Milliarden Dollar.

Am Freitag werden in den USA die Verpraucherpreise für den Monat November gemeldet. Nach einer Umfrage von Bloomberg geht die Mehrheit der Analysten von einem Anstieg im Monatsvergleich um 0,6 Prozent aus. Im Vergleich zum Vorjahr würde damit der Preisdruck von 3,5 auf 4,1 Prozent anziehen.

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