Studie Privatbanken in Kauflaune

Immer mehr Privatbanken spielen ernsthaft mit dem Gedanken einer Übernahme. Fast jedes zweite Geldinstitut schaut sich einer aktuellen KPMG-Studie zufolge aktiv nach potenziellen Kandidaten um. Doch bestimmte Faktoren erweisen sich immer wieder als Hemmschuh.

Frankfurt am Main – Immer mehr Privatbanken schielen auf eine Übernahme. Fast jede zweite Privatbank (48 Prozent) schaut sich derzeit aktiv nach einem geeigneten Übernahmeziel um, wie eine am Samstag veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung KPMG ergab. Noch vor einem Jahr war es lediglich jede fünfte (18 Prozent).

Dafür sind die Banken auch bereit, einiges Geld in die Hand zu nehmen. Trotzdem scheitern viele der Übernahmen an unterschiedlichen Preisvorstellungen zwischen potenziellem Käufer und Verkäufer.

So plant laut KPMG jede dritte Privatbank, in den nächsten drei Jahren mindestens 500 Millionen US-Dollar für Übernahmen auszugeben – in Asien ist es sogar jede zweite. 20 Prozent wollen dafür sogar über eine Milliarde US-Dollar investieren.

Doch, so KPMG-Vorstand Gottfried Wohlmannstetter: "Der hohen Nachfrage steht seit einiger Zeit de facto kein Angebot gegenüber." Mögliche Übernahmekandidaten sähen bei der derzeit guten Ertragslage keine Notwendigkeit, ihre Unabhängigkeit in Frage zu stellen.

Von den Übernahmen erhoffen sich die Banken der Erhebung zufolge in erster Linie eine Erhöhung des Marktanteils, sowie die Erschließung neuer Märkte. Wichtigste Zielländer sind neben China und Russland vor allem die USA und Großbritannien.

Große Zufriedenheit

Große Zufriedenheit

Eine weitere Motivation der Banken im Zusammenhang mit den Übernahmen ist laut der Studie die Hoffnung, die eigene Kundenbasis - und damit auch den Umfang des verwalteten Vermögens - vergrößern zu können.

Doch, so die Erhebung, zumindest in den vergangenen drei Jahren war eher das Gegenteil der Fall: Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Banken gab demnach an, dass sich das Volumen des erworbenen Kundenvermögens im ersten Jahr nach ihrer größten Übernahme verringert habe - zum Teil deutlich. Lediglich jede vierte Bank verzeichnete nach einer Übernahme einen Anstieg des verwalteten Vermögens.

Die Befragten sind im Vergleich zum Vorjahr aber zuversichtlicher, entsprechende Verluste künftig in Grenzen halten zu können.

Doppelt so viele wie 2006 gehen davon aus, ihre Kundenbasis mindestens stabil halten oder gar verbreitern zu können.

Insgesamt ist die Zufriedenheit nach erfolgten Übernahmen aber groß: Bei vier von fünf Banken stieg der Shareholder Value Unternehmensangaben zufolge. Bei mehr als einem Fünftel sogar "deutlich". Für die Erhebung hatte die Unternehmensberatung 166 Privatbanken in aller Welt befragt.

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