Börsenausblick Warten auf den Zinsentscheid

Am deutschen Aktienmarkt ist es wegen der Zinsentscheidung in den USA noch zu früh für vorweihnachtliche Besinnlichkeit. Nach Einschätzung von Experten könnte die US-Notenbank Fed am Dienstag die Kurse noch einmal ankurbeln.

Frankfurt am Main - Die wegen der Subprime-Krise, des hohem Ölpreises und des starken Euro  pessimistische Grundstimmung der vergangenen Wochen habe sich aufgehellt.

"Der Risikoappetit scheint sich zu normalisieren", sagt Helaba-Aktienstratege Markus Reinwand. Grund sei die Hoffnung auf sinkende Zinsen in den USA. Auch seien die charttechnischen Voraussetzungen besser geworden.

"Beim Dax  sehe ich durchaus die Chance, dass wir in diesem Jahr die Höchstmarke noch einmal überschreiten. Unsere Jahresendprognose liegt bei 8200 Punkten", prognostiziert Reinwand.

Skeptischer äußert sich LBBW-Stratege Steffen Neumann: "Ich sehe nicht den Impuls, der uns deutlich über die 8000 hebt. Ich gehe eher von Gewinnmitnahmen nach einer Fed-Zinssenkung aus."

Der deutsche Leitindex hatte im Sommer ein Rekordhoch bei 8151 Zählern markiert. Die vom US-Immobilienmarkt ausgehende Krise führte dann zu Verkaufswellen an den Aktienmärkten.

Obwohl die Anleger nach wie vor sehr nervös agieren, hat der Dax in der vergangenen Woche 1,5 Prozent zugelegt, blieb zum Wochenschluss aber knapp unter der 8000er-Marke.

Die US-Notenbank wird nach mehrheitlicher Einschätzung von Volkswirten am Dienstag erneut an der Zinsschraube drehen. Seit Sommer hat die Fed zur Stützung der US-Wirtschaft den Leitzins in zwei Schritten um 75 Basispunkte auf 4,5 Prozent gesenkt.

Letzter Höhepunkt des Jahres

Letzter Höhepunkt des Jahres

"Vollkommen entspannt kann die Fed nicht agieren", sagt Neumann. Sie habe das selbe Problem, das auch die Europäische Zentralbank thematisiert hat: die steigende Inflation. Um die Markterwartungen zu befriedigen, werde die Fed den Zins wohl um 25 Basispunkte senken.

Fondsmanager Ulf Moritzen von Nordinvest favorisiert sogar einen "großen" Schritt um 50 Basispunkte. "Wir erleben eine ausgemachte Krise, und da ist mittelfristig auch ein Leitzins von dreieinhalb Prozent drin", sagt Moritzen. "Ein Inflationsgespenst sehe ich nicht, und selbst wenn, wäre eine weltwirtschaftliche Krise höher zu bewerten als die Inflation."

Neue Impulse für den deutschen Aktienmarkt könnte auch der ebenfalls am Dienstag veröffentlichte ZEW-Index bringen. Nach Einschätzung von Helaba-Experte Stefan Münze dürfte dieser nach dem Rückgang des Ölpreises und des Euro im Vergleich zum Dollar im Dezember wieder gestiegen sein. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und das Kieler Institut für Weltwirtschaft stellen ihre Prognosen vor.

Daneben dürfte eine Reihe von Konjunkturdaten aus den USA Beachtung finden: Experten der Commerzbank  rechnen zwar mit steigenden Einzelhandelsumsätzen im November, allerdings dürfte das fast ausschließlich auf steigende Energiepreise zurückzuführen sein.

Importpreise und die zum Wochenausklang veröffentlichten Verbraucherpreise dürften nach Einschätzung von Ökonomen der LBB auch in den USA auf steigenden Inflationsdruck hinweisen.

Von Unternehmensseite stehen in Deutschland Verkehrszahlen von Fraport  und Lufthansa  an. In den USA veröffentlichen die Bankhäuser Lehman Brothers  und Bear Stearns  Quartalszahlen. "Bear Stearns gehörten ja zu den ersten, die auch für das vierte Quartal gewarnt haben, dass sie weiteren Abschreibungsbedarf wegen der Subprime-Krise sehen", merkt Neumann an. "Je nachdem wie hoch die Abschreibungen nun tatsächlich ausfallen, könnte das noch einmal Bewegung in den Finanzsektor bringen."

Auch einige Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe stehen im Blick. Wincor Nixdorf  lädt zur Bilanzpressekonferenz. Carl-Zeiss Meditec  und Demag Cranes  veröffentlichen genau wie Techem , die zum 21. Dezember aus dem MDax  absteigen, ihre Jahreszahlen

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx