Energie Stromverkauf im Supermarkt

Strom von Eon können Kunden künftig auch in den Märkten von Lidl und Kaufland erwerben. Andere Energiekonzerne haben den Einzelhandel als Vertriebsweg ebenfalls bereits entdeckt. Mit der neuen Strategie versuchen die Anbieter Kunden zurückzugewinnen, die sie auf andere Weise vergrault haben.

Hamburg - "Ich hätte gerne ein Pfund Kaffee und Strom für zwei Jahre" - so etwas könnte künftig häufiger an deutschen Ladentheken zu hören sein: Die wegen der Preiserhöhungen unter Druck stehenden Stromunternehmen suchen zunehmend den direkten Draht zum Verbraucher und haben dafür neue Vertriebswege entdeckt.

Der größte deutsche Energiekonzern Eon  kündigte am Freitag an, bis zum 22. Dezember in den Filialen der Discounter Lidl und Kaufland Strom der Online-Tochter "E wie einfach" zu verkaufen. Auch andere Versorger haben die Ladentheke bereits als Verkaufsförderungsmittel für sich entdeckt. Die RWE  Online-Tochter eprimo etwa verkauft seit kurzem Strom in den Shops der Telekommunikationsanbieters "The Phone House".

Damit erhalte eprimo Zugang zu den Phonehouse-Kunden in rund 190 Geschäften in Deutschland, sagte ein eprimo-Sprecher. "Wir wollen die Kooperationen mit Telekommunikationsunternehmen ausbauen." Die RWE-Tochter sei auch offen für eine Zusammenarbeit mit Einzelhändlern. Während die Regionalversorger von RWE in diesem Jahr massiv Kunden verloren haben, hat eprimo nach eigenen Angaben rund 30.000 gewonnen und kommt damit nun auf 170.000.

Verprellte Kunden wieder einfangen

Die Konzerne müssen sich etwas einfallen lassen, haben sie doch mit ihren Preiserhöhungen viele Kunden verprellt. Diese sollen nicht zu anderen Anbietern abwandern, sondern bei den Töchtern im eigenen Hause bleiben. Eon und RWE haben für Januar Preiserhöhungen von bis zu zehn Prozent angekündigt. "Wir wollen dort, wo der Verbraucher eh einkauft, etwas anbieten, was es dort noch nicht gab", sagte ein Sprecher von "E wie einfach".

Bei den über 3000 Filialen von Lidl und Kaufland liegen ab Montag Tüten des Anbieters im Regal. Kostenpunkt: ein Euro. Mit dem "Starterpaket", das einen Treuebonus verspricht, können sich die Kunden bis zum 30. Dezember über das Internet und per Telefon anmelden. E wie einfach hat nach den letzten veröffentlichten Zahlen rund 250.000 Kunden - rund 100.000 haben die Eon-Regionalversorger in diesem Jahr verloren.

Der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick ist bereits vor Jahren Kooperationen eingegangen und will diese weiter ausbauen. Im Frühjahr gab es Strom von Lichtblick für einige Wochen in den Geschäften des Kaffeerösters Tchibo. Partner sind auch die Deutschen Post , die Deutsche Bahn, oder der Versandriese Otto.

Lichtblick könne auf diese Weise Vertriebswege nutzen, über die das Unternehmen selbst nicht verfüge, sagte ein Sprecher. Pro Jahr gewinne das Unternehmen dadurch über 50.000 Kunden. Insgesamt kommt Lichtblick derzeit auf rund 390.000. Die Kooperation habe für beide Seiten einen positiven Effekt. "Die Partner können mit unserem positiven Image als Ökostromanbieter werben."

Von Tom Käckenhoff, reuters

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