Sal. Oppenheim "Gespaltenes Aktienjahr 2008"

Trotz der Misere an den Kreditmärkten bleibt die Privatbank Sal. Oppenheim für den deutschen und europäischen Aktienmarkt optimistisch. Die niedrige Bewertung erlaube 2008 erhebliche Kursgewinne. Vorerst seien die Risiken jedoch noch hoch.

Frankfurt am Main - "Im Jahresverlauf ist ein Niveau des Dax  von 8400 Punkten und ein Stand des EuroStoxx 50  von 4550 Zählern möglich", sagte Wolfgang Sawazki, bei der Privatbank Sal. Oppenheim Leiter der Abteilung Aktienresearch. Kurzfristig überwögen aber die Risiken durch eine deutliche Abschwächung der Weltkonjunktur an den internationalen Finanzmärkten, hieß es bei der Vorstellung des Kapitalmarktausblicks.

Diese dürften sich erst im Laufe des Jahres mit Hilfe der Stärke in den Schwellenländern, den so geannten Emerging Marktes, normalisieren. Alles deute auf ein "gespaltenes" Aktienjahr 2008 hin, sagte Matthias Jörss, Leiter der Abteilung Aktienstrategie bei Sal. Oppenheim. Weitere Hinweise auf eine Konjunkturabkühlung und neue Abschreibungen im Finanzsektor könnten den Markt noch einmal belasten, bevor steigendes Vertrauen eine "weiche Landung" ermöglichten.

Ein Konjunktureinbruch in den USA sei nicht auszuschließen, sagte Sal.Oppenheim-Chefvolkswirt Norbert Braems. Entsprechend rechne er mit weiteren moderaten Zinssenkungen durch die US-Notenbank. "Gestützt durch eine expansive Geldpolitik der Federal Reserve gehen wir von einer leichten Erholung der Konjunktur in den USA ab der zweiten Jahreshälfte 2008 aus", so Braems weiter. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde aber voraussichtlich nicht reagieren. Der hohe Ölpreis bleibe vermutlich weiterhin Thema. Die Sensibilität auf die steigenden Energiepreise sei aber nicht mehr so hoch wie noch vor 15 Jahren.

Der deutsche Aktienmarkt dürfte in den Monaten Februar und März in eine schwierige Phase eintreten, sagte Sawazki weiter. Im ersten Quartal sei mit einigen Enttäuschungen zu rechnen. Im Finanzsektor könnten weitere Abschreibungen die Stimmung drücken. Auch zyklische Werte dürften unter Druck geraten.

Mehr als 20 Börsengänge im Prime Standard

Mehr als 20 Börsengänge im Prime Standard

Anleger sollten entsprechend kurzfristig defensive Wachstumstitel bevorzugen. Dazu zählen Bereiche wie Gesundheit, Konsumgüter und Telekommunikation. Im Jahresverlauf rechnet die Bank zudem mit einer Erholung von Finanztiteln. Angesichts der niedrigen Bewertungen dürften sie als Gruppe eine gute Entwicklung zeigen, sagte Sawazki. Aktuell fehle es den Marktteilnehmern aber an Transparenz, um richtig zu selektieren.

Die Unternehmensgewinne in Europa werden aus Sicht der Experten auch 2008 und 2009 moderat steigen. Neben der Steuerreform dürften einige Unternehmen von Sondereffekten wie Konsolidierungen und Umstrukturierungen profitieren. Dazu gehören unter anderem Daimler , Linde , Bayer , Siemens  und die Deutschen Telekom . Im Dax erwarte er ein Plus von 8 Prozent bei den Nettogewinnen, im EuroStoxx 50 rechne er mit 5 Prozent, sagte Sawazki.

Darüber hinaus rechnet Sal. Oppenheim 2008 mit mehr als 20 Börsengängen im Prime Standard. Vor allem Unternehmen aus den Bereichen Alternative Energien und Umwelttechnik, Einzelhandel, Industrie und Techologie werden nach Einschätzung der Experten den Gang auf das Börsenparkett wagen. Das Emissionsvolumen werde mehrheitlich zwischen 70 und 300 Millionen Euro liegen. Wegen der derzeitigen Situation an den Kreditmärkten dürften Portfoliounternehmen von Private-Equitiy-Gesellschaften rund 30 bis 40 Prozent der Emissionen ausmachen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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