OECD Konjunktur unter Druck

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten hat die OECD ihre Wachstumsprognosen für die westliche Welt deutlich zurückgenommen. Die Preisschocks auf den Rohstoff- und Ölmärkten sowie die US-Hypothekenkrise werden die Konjunktur 2008 ausbremsen.

Paris - Dank hoher Unternehmensgewinne und eines robusten Wachstums in den Schwellenländern sei die Grundtendenz aber gar nicht so schlecht, schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Ausblick. Die Staaten müssten allerdings dem Druck widerstehen, zu protektionistischen Maßnahmen zu greifen und die Kontrolle der Ausgaben zu lockern.

Nachdem die Schocks verkraftet seien, könne die Wirtschaft zumindest in Europa schnell wieder ihr Expansionspotenzial ausschöpfen, so die Experten. Das Wachstum im Euro-Raum werde im nächsten Jahr von 2,6 auf 1,9 Prozent einbrechen und sich dann leicht auf 2,0 Prozent erholen. Dabei bleibe die Inflation bis 2009 auf 2,2 bis 2,3 Prozent begrenzt und die Arbeitslosigkeit gehe von 6,8 auf 6,4 Prozent weiter zurück.

Weil der Exportmotor nicht mehr so hochtourig läuft, wird sich das Wachstum in Deutschland der OECD zufolge von 2,6 Prozent in diesem Jahr bis 2009 auf 1,6 Prozent verlangsamen. Trotz der erlahmenden Konjunktur dürfe die Regierung die Wirtschaft aber nicht mit einer expansiven Haushaltspolitik anfeuern, meinen die Experten.

Der Aufschwung bleibe intakt. Die Binnennachfrage steige und die Arbeitslosigkeit sinke weiter. Dank der vergangenen Reformen wird die nach OECD-Kriterien berechnete Erwerbslosenquote von 6,4 Prozent (2007) über 5,7 Prozent im kommenden Jahr auf 5,6 Prozent 2009 zurückgehen. Auf die deutsche Statistik umgerechnet bedeute dies 8,3 Prozent im kommenden Jahr und 8,2 Prozent im Jahr darauf, sagte OECD-Ökonom Felix Hüfner. Der Staatshaushalt dürfte sich weiter verbessern und 2009 einen Überschuss von 0,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausweisen.

Keine Rezession in den USA

Keine Rezession in den USA

Die USA müssen laut OECD im kommenden Jahr mit einem Wachstumsrückgang auf 2,0 Prozent rechnen. In die Rezession wird die größte Volkswirtschaft der Welt aber nicht rutschen. 2009 könne wieder die diesjährige Rate von 2,2 Prozent erreicht werden. Doch die Erwerbslosenquote wird parallel dazu von 4,5 auf fünf Prozent zulegen. Im Gegensatz zum Euroraum, dessen Außenhandel langsam in die roten Zahlen rutscht, dürften die USA ihr Leistungsbilanzdefizit in den kommenden zwei Jahren von 5,6 auf 5,3 Prozent des BIP verringern.

Ein großes Pfand für die Konjunktur ist laut OECD das Vertrauen in den Geldwert. "Sollten Zeichen für einen Anstieg der Inflationserwartungen aufkommen, muss auf kurze Sicht unter Umständen eine Konjunkturverlangsamung in Kauf genommen werden, um diesen entscheidenden Aktivposten der Politik zu wahren", heißt es. Der derzeitige "Einnahmesegen" der öffentlichen Haushalte dürfte nur vorübergehend sein. "Die Fiskalpolitik muss daher trotz kräftig sprudelnder Einnahmen den eingeschlagenen Kurs standhaft beibehalten."

Die jüngste Dollarabwertung hat für die Experten zu einer sinnvollen Anpassung der Geldströme nach der US-Immobilienkrise geführt. Die Angst vor den Folgen von Wechselkursänderungen dürfe "nicht als Vorwand für interventionistische Maßnahmen herhalten, denn hier kann die Geldpolitik in der Regel mehr oder minder ausgleichend wirken", heißt es. Eine Aufwertung des Renminbi dürfte "angesichts der Überhitzungssymptome und der hohen inländischen Inflation" in Chinas eigenem Interesse liegen".

manager-magazin.de mit Material von dpa

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