Porsche 112,7 Millionen Euro für den Vorstand

Beim Sportwagenbauer Porsche läuft es wie geschmiert – und das bekommt auch der Vorstand zu spüren: Die Bezüge des sechsköpfigen Gremiums haben sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 112,7 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Stuttgart - Im Vorjahr hatte die Summe noch bei 45,2 Millionen Euro gelegen. Auf erfolgsabhängige Komponenten entfielen Unternehmensangaben zufolge 107,3 Millionen Euro. Der Löwenanteil davon dürfte auf Porsche-Chef Wendelin Wiedeking entfallen, gefolgt von seinem Finanzchef Holger Härter, dessen Wirken der milliardenhohe Gewinn mit VW-Aktienoptionen zugeschrieben wird.

Ins neue Geschäftsjahr 2007/08 ist der Sportwagenhersteller Porsche  mit deutlichen Zuwächsen bei Absatz und Umsatz gestartet. Porsche teilte am Mittwoch in Stuttgart mit, der Absatz habe in den Monaten August bis November um 18,4 Prozent auf 30.700 Fahrzeuge zugenommen.

Der Umsatz habe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,7 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro zugelegt. Diese Zuwächse ließen Porsche "vorsichtig optimistisch" in die Zukunft blicken, teilte der Vorstand mit.

Bei Absatz und Umsatz werde Porsche in seinem bis Ende Juli 2008 laufenden Geschäftsjahr mit vielen neuen Modellvarianten an die Rekorde des Vorjahres anknüpfen. Eine Prognose für den seit Jahren steigenden Gewinn gab Porsche nicht ab.

Im Geschäftsjahr 2006/07 hatte Porsche weltweit 97.515 Autos verkauft, der Umsatz war auf 7,4 Milliarden Euro gestiegen. Der Vorsteuergewinn stieg auf rund 5,9 Milliarden Euro.

Porsche bekräftigte, der nächste Wachstumsschub des Unternehmens werde im Jahr 2009 mit der Markteinführung der vierten Baureihe Panamera kommen. "Bis dahin dürfte die Unternehmensentwicklung durch eine Konsolidierung auf hohem Niveau gekennzeichnet sein", heißt es in dem Geschäftsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr 2006/07.

1,50 bis 1,60 Dollar je Euro erwartet

Im Streit mit dem Betriebsrat des Volkswagen-Konzerns  zeigte sich Porsche-Chef Wendelin Wiedeking weiterhin unnachgiebig. Der Klage des VW-Betriebsrates fehle jegliche Rechtsgrundlage, sagte Wiedeking laut Redetext auf der Bilanzpressekonferenz. Porsche ist mit rund 31 Prozent der größte Aktionär bei VW.

Dem Rechtsstreit um die Mitbestimmung in der Porsche Holding sieht Wiedeking "mit aller Gelassenheit" entgegen. Porsche wolle gemeinsam mit der Belegschaft von VW den japanischen Autokonzern Toyota  angreifen. "Um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen, müssen wir die vom VW-Vorstand definierte Angriffsstrategie fahren", sagte Wiedeking. Diese Strategie unterstütze Porsche ohne Wenn und Aber.

Die Beteiligung an VW hat Porsche bisher 5,8 Milliarden Euro gekostet. Allein im Ende Juli abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 habe Porsche 2,7 Milliarden Euro in die Aufstockung des Anteils von gut 21 auf knapp 31 Prozent gesteckt, sagte Finanzvorstand Holger Härter. Im Gegenzug steuerte die VW-Beteiligung in dem Geschäftsjahr 4,8 Milliarden Euro zum Vorsteuergewinn des Konzerns bei, wie Porsche bereits Mitte November mitgeteilt hatte. Allein 3,6 Milliarden entfielen dabei auf Aktienoptionsgeschäfte mit VW-Aktien.

1,50 bis 1,60 Dollar je Euro erwartet

"Diese Optionsgeschäfte sind natürlich kein Selbstzweck", sagte Härter weiter. "Sie ermöglichen es uns, unsere Ziele eigenständig, ohne Fremde Hilfe zu erreichen obwohl Porsche der kleinste unabhängige Autobauer der Welt ist. Unsere Kurssicherungsstrategie zielt darauf ab, verlässliche Planungsgrundlagen zu schaffen und den Mitspielern keine Möglichkeit zu geben, uns in unserer Entscheidungsfreiheit einzuengen." Sowohl beim Erwerb der VW-Beteiligung als auch bei der ergebnislosen Pflichtofferte vom Frühjahr habe sich Porsche mit Optionsgeschäften gegen Kursrisiken abgesichert. "Nichts sollte dem Zufall überlassen werden."

Porsche ist unterdessen auf einen weiter sinkenden Dollarkurs vorbereitet. Zahlreiche Rahmendaten legten nahe, dass die US-Währung gegenüber dem Euro weiter an Boden verlieren könne, sagte Porsche-Finanzvorstand Härter. Der Dollar könne sich auf Kurse zwischen 1,50 und 1,60 Dollar je Euro abschwächen. Die Währungsabsicherungen reichten aktuell bis ins Jahr 2013. Dadurch werde vermieden, dass sich das Unternehmen bei deutlich ungünstigeren Wechselkursen neu absichern müsse. Am Mittwoch lag der Dollar-Kurs bei 1,4747 Dollar je Euro. Porsche hat im Geschäftsjahr 2006/07 in Nordamerika 35.398 Fahrzeuge verkauft.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dow jones und dpa-afx