Börsenjubiläum Das Xetra-Jahrzehnt

Heute vor zehn Jahren wurde Xetra aus der Wiege gehoben, das elektronische Handelssystem der Deutschen Börse. manager-magazin.de blickt auf die Erfolgsgeschichte zurück.

Frankfurt am Main - Fünf Buchstaben revolutionierten vor zehn Jahren die Börsenwelt: Xetra. Als einer der ersten Anbieter weltweit setzte die Deutsche Börse  konsequent auf den vollelektronischen Wertpapierhandel - und gilt darin bis heute als Vorreiter.

Nach dem Start des "Exchange Electronic Trading" (Xetra) am 28. November 1997 gewann das Geschäft per Computer rasant an Bedeutung - trotz anfänglicher Skepsis vieler Börsianer. Inzwischen ist der Handel auf dem altehrwürdigen Frankfurter Börsenparkett in der Innenstadt nur noch am Rande von Bedeutung und dient vor allem als Kulisse für die Fernsehkameras. Xetra dagegen wurde zum Exportschlager: Ab Mitte 2008 will auch die Bulgarische Börse das Handelssystem nutzen - als vierte ausländische Börse nach Dublin, Wien und Shanghai.

"Die Börsianer waren damals gar nicht so begeistert von der neuen Computerbörse", erinnert sich der Leiter des Wertpapierhandels der Privatbank Hauck & Aufhäuser, Fidel Helmer, der seit 1970 am Finanzplatz Frankfurt tätig ist. "Man hat aber sehr schnell gesehen, dass das System perfekt funktioniert, kundenfreundlich und sehr sicher ist."

Derzeit beteiligen sich laut Deutscher Börse AG 260 Teilnehmer in 19 Ländern an Xetra, mehr als 4600 Händler sind angeschlossen. An Spitzentagen verarbeitet das System 8,5 Millionen Transaktionen und führt 1,3 Millionen Handelsbewegungen aus: Kaufen und Verkaufen von Aktien per Mausklick. Mehr als 9000 Papiere sind handelbar, für das Frühjahr 2008 plant die Deutsche Börse eine Neuauflage des Systems, in der auch Optionsscheine und Zertifikate aufgenommen werden sollen.

"Insgesamt ist Xetra eine absolute Erfolgsstory", bilanziert Wertpapierhändler Helmer. "Der einzige Nachteil ist: Die Börse als Kommunikationszentrum blieb auf der Strecke, weil Xetra sich nur auf nackte Zahlen beschränkt." Der damalige Börsenchef Werner Seifert der zur Xetra-Einführung von einem "Quantensprung für den Finanzplatz Deutschland" schwärmte, hätte den Parketthandel am liebsten ganz abgeschafft, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Stattdessen steckte die Deutsche Börse 2006/2007 rund fünf Millionen Euro in den Umbau des Frankfurter Börsensaales - was unter anderen von Journalisten goutiert wurde: "Die Menschen müssen Börse auch mit Menschen verbinden, nicht nur mit Computern", befand Ex-ARD- Börsenreporter Frank Lehmann.

Kritische Regionalbörsen

Kritische Regionalbörsen

Kritik an Xetra kam anfangs von den Regionalbörsen. "Das voll elektronische Handelssystem trifft den Lebensnerv der regionalen Finanzplätze", formulierte das "Handelsblatt" seinerzeit die Bedrohung für die kleinen Börsen von München bis Bremen. "Die Regionalbörsen in Deutschland waren nach der Einführung von Xetra nur noch in Nischen überlebensfähig", sagt Experte Helmer.

Die Börse Stuttgart spezialisierte sich auf Optionsscheine, in München liegt ein Schwergewicht auf ausländischen Titeln. Die Stuttgarter räumen neidlos ein, Xetra sei es gelungen, "den Hauptmarkt im Aktiengeschäft an sich zu binden". Allerdings hat das System auch seine Schwierigkeiten: Am 19. November 2007 ließ eine Computerpanne den Xetra-Handel für gut eine Stunde zusammenbrechen. Solche Ausfälle gelten in der Branche als mittlere Katastrophe: Banken verlieren Geld, wenn Referenzpreise von Aktien nicht geliefert werden, Anleger verpassen Gelegenheiten zum Kaufen oder Verkaufen von Papieren. Immerhin: Solche Pannen sind selten, zuletzt hatte es im September 2006 einen knapp einstündigen Xetra-Ausfall gegeben.

Dem Geschäft der Deutschen Börse mit ihrem Handelssystem tun auch die - seltenen - Pannen keinen Abbruch. Im dritten Quartal 2007 schnellten die Erlöse im Segment Xetra im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 66 Prozent auf 113,4 Millionen Euro nach oben, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibung (EBITA) stieg sogar um 117 Prozent auf 77,8 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx