Lateinamerika-Immobilien "Ein intransparenter Markt"

Der chinesische Rohstoffhunger ist gut für die lateinamerikanische Wirtschaft. Das wiederum ist gut für die lokalen Immobilienmärkte. Und das ist seinerseits gut für deutsche Anleger, erklärt Stefan Mitropoulos von der Deutschen Bank.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Mitropoulos, 650 Milliarden Dollar stecken inzwischen in lateinamerikanischen Immobilien - eine Menge Geld. Wie viel ist davon heißes Geld, das den Globus umströmt?

Mitropoulos: Schwer zu sagen. Während es in Europa und den USA verlässliche Zahlen gibt mit einer langen Geschichte, ist Lateinamerika als Markt heute noch weniger transparent. Wir sind daher auf unsere Partner vor Ort angewiesen, um durch deren Expertise die Datendecke etwas dicker zu machen.

mm.de: Und in solchen Ländern investieren Sie?

Mitropoulos: Ja, denn die Immobilienrenditen dort sind im Vergleich zum Beispiel zu Europa viel höher. Es ist eben ein Markt im Aufbruch - sehr fokussiert. Sehen Sie, beispielsweise Sao Paulo hat mit seiner zweistelligen Millionenbevölkerung einen Büroimmobilienmarkt, der halb so groß ist wie der von Frankfurt am Main. Und nur die Hälfte davon ist wirklich investierbar.

mm.de: Die Investoren balgen sich also um die wenigen, guten Objekte und treiben die Preise nach oben?

Mitropoulos: Nein, denn genau dazu haben wir Partner vor Ort, die auch das angemessene Preisniveau kennen.

mm.de: Wer sind Ihre Partner vor Ort?

Mitropoulos: Das sind in aller Regel US-Unternehmen wie Tishman Speyer, die schon lange vor Ort sind und die lokalen Probleme kennen. Sie wissen zum Beispiel genau, ob man guten Gewissens in bestimmten Vierteln einer Stadt investieren darf.

mm.de: Fließt das Geld nur in Büroimmobilien?

Mitropoulos: Nein, auch Wohnimmobilien sind eine interessante Alternative. Weil die demografische Struktur in Lateinamerika eine ganz andere ist als zum Beispiel in Deutschland. Der Bevölkerungsdurchschnitt ist jung, viele stehen davor, einen Hausstand zu gründen. Und sie fragen Wohnraum nach. Die Regierungen, gerade in Brasilien und Mexiko, haben das große Wohnungsdefizit erkannt und Hilfsprogramme aufgelegt.

Boomfaktor Bevölkerung

mm.de: Sie nennen Mexiko und Brasilien - das sind genau jene Märkte, die Aktienfondsmanager auch gerne hervorheben. Warum?

Mitropoulos: Das liegt zum Beispiel an der Bevölkerungsentwicklung. In Brasilien und Mexiko wohnt etwa die Hälfte der Bevölkerung des gesamten Kontinents. Auch das Bruttosozialprodukt Lateinamerikas wird zu 60 Prozent in diesen beiden Ländern erwirtschaftet. Dazu kommen die stabilisierten Wirtschaften.

mm.de: Sehen Sie also keine Gefahren für die Stabilität der Region wie zum Beispiel eine neue Peso-Krise?

Mitropoulos: Nein, grundsätzlich haben sich diese Länder stabilisiert - auch durch die hohen Exporteinnahmen aus den Rohstoffgeschäften.

mm.de: Hängt die Region allein an Indiens und Chinas Rohstoffhunger?

Mitropoulos: Nein, glücklicherweise nicht mehr. Die Wirtschaften diversifizieren sich. Abgesehen davon hängt Lateinamerika nicht nur an einem Rohstoff. Brasilien bietet viele unterschiedliche Metalle, Energie und ist dazu auch führend bei Agrarrohstoffen. Und der Rohstoffhunger Chinas und Indiens ist strukturell bedingt, der wird nicht so schnell gestillt sein.

mm.de: Was ist mit den Währungsrisiken - schließlich nützen die höchsten Immobilienrenditen nichts, wenn sie europäischen Investoren durch das Währungsgefälle zwischen den Händen zerrinnen.

Mitropoulos: Selbstverständlich bestehen hier wie bei anderen Auslandsinvestments Währungsrisiken, da in lokalen Währungen oder in US Dollar investiert wird. Der Investor hat grundsätzlich Möglichkeiten, diese Risiken abzusichern, muss hierfür jedoch auch Kosten tragen. Bei langfristigen Beteiligungen könnten sich aber Währungsgewinne und -verluste ausgleichen. Aktuell hat die Deutsche Bank eine positive Meinung insbesondere zum brasilianischen Real.

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