Mannesmann Gebot über 200 Euro je Aktie?

Vodafone will "erkunden", ob eine Zusammenarbeit mit den Düsseldorfern möglich ist. Unterdessen treiben Spekulationen über eine feindliche Übernahme den Kurs der Aktie.

Newbury/Düsseldorf - Vodafone AirTouch erkundet derzeit Möglichkeiten, eine "Beziehung zur Mannesmann AG zu entwickeln". Über spezielle Optionen sei bislang noch nicht entschieden, teilte das britische Unternehmen am Freitag mit. Vodafone erkunde weiterhin eine "breite Spanne von Möglichkeiten, an der anhaltenden Konsolidierung des globalen Mobilfunkmarktes zu partizipieren". Zuvor war in der Presse über ein mögliches Übernahmeangebot von Vodafone für Mannesmann spekuliert worden. Das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, Vodafone arbeite weiter an einem feindlichen Übernahmeangebot und bewerte dabei Mannesmann mit rund 78 Milliarden Euro (knapp 153 Milliarden Mark). Vodafone selbst teilte mit, man habe noch keine Entscheidung über mögliche Zukäufe getroffen, untersuche aber eine Reihe möglicher Optionen im Mobilfunkmarkt.

Die Mannesmann-Aktie stieg am Freitag nach den Zuwächsen der Vortage auf ein neues Allzeithoch - nach Spekulationen, die Vodafone-Offerte werde Mannesmann mit mehr als 200 Euro je Aktie bewerten. Die Anteilsscheine des deutschen Konzerns notierten am Nachmittag an der Frankfurter Börse mit 187,35 Euro 4,8 Prozent höher als am Vortag.

Für Mannesmann und die britische Mobilfunkgesellschaft Orange Plc zusammen werde Vodafone mehr als 100 Milliarden Dollar (189 Milliarden Mark) bieten, hieß es in dem Bericht. Mannesmann hatte vor einigen Wochen angekündigt, Orange übernehmen zu wollen und dabei mehr als 60 Milliarden Mark geboten.

Vodafone erklärte am Freitag in London zu Berichten, wonach sie eine feindliche Übernahme der Mannesmann plane, Vodafone suche nach Wegen, die Beziehung zu dem deutschen Konzern weiter zu entwickeln. Vodafone erwäge dabei nur solche Möglichkeiten, die für seine Anteilseigner einen Mehrwert erbringen würden. Es habe aber noch keine Entscheidung für irgendeine Option gegeben.

Nach Händlerangaben führten die Erwartungen am Aktienmarkt, Vodafone werde ein Übernahmeangebot für Mannesmann abgeben, zu einem deutlichen Kursrückgang der Vodafone-Papiere an der Londoner Wertpapierbörse. Das Papier gab 4,4 Prozent auf 304 Pence nach. Analysten sagten dazu, es sei zwar ein strategisch richtiger Schritt von Vodafone, Mannesmann übernehmen zu wollen. Allerdings müsse dabei auch die britische Orange mit gekauft werden. Dabei sei bereits jetzt klar, dass Vodafone Orange aus kartellrechtlichen Gründen nicht behalten könne.

Vor einigen Tagen hatte es allerdings Spekulationen darüber gegeben, Vodafone könne sich im Vorfeld der Mannesmann-Übernahme mit der France Telecom darauf einigen, dass der französische Konzern Orange kaufe. Dabei bestand unter Händlern aber keine Einigkeit darüber, ob Vodafone eine solche Transaktion ohne Verluste umsetzen könnte.

Die Aktie der Mannesmann hatte bereits in den vergangenen Tagen zugelegt. Dabei hatte die Aktie nach Angaben von Händlern auch davon profitiert, dass neben der Vodafone auch andere Interessenten wie etwa die US-Telefongesellschaft MCI WorldCom genannt worden waren. Zudem hatte es am Donnerstag das Spekulationen darüber gegeben, Mannesmann selbst könne den niederländischen Wettbewerber KPN übernehmen und über diesen Weg eine Übernahme durch Vodafone teurer bis unerschwinglich zu machen. Diese Gerüchte hatten sich zum Wochenschluss aber nicht erhärtet.