Adtranz Jede achte Stelle weg

Der Bahntechnikkonzern streicht in den kommenden drei Jahren weltweit weitere 3.000 seiner knapp 24.000 Stellen. Auf Grund von Überkapazitäten soll an sechs Standorten die Produktion stillgelegt werden.

Berlin - In Deutschland ist davon das Adtranz-Werk Nürnberg betroffen, wo noch 900 Beschäftigte tätig sind. In Nürnberg wurden bisher der ICE 3 sowie S- und Straßenbahnen gefertigt.

In der Schweiz gehen in den Standorten Pratteln und Zürich-Oerlikon rund 600 Arbeitsplätze und in Oerlikon 150 Stellen verloren. Die Schließungen sollen bis Mai 2001 vollzogen werden. Die Gewerkschaft hat Widerstand angekündigt.

Insgesamt wolle sich Adtranz bis 2002 von 3.000 Mitarbeitern trennen, hieß es. So sollen auch 600 Stellen in Großbritannien, 300 in Polen, 200 in Portugal und 150 in Norwegen gestrichen werden.

Mit dem am Freitag in Berlin vorgestellten Sanierungsprogramm will die Tochter des DaimlerChrysler-Konzerns 2000/2001 in die Gewinnzone zurückkehren. Adtranz-Chef Rolf Eckrodt sagte, er wisse um die Härte und die Konsequenzen der Entscheidung. Aber nur ein international wettbewerbsfähiges Unternehmen habe langfristig eine Perspektive.

Das Unternehmen Adtranz gehört seit Anfang des Jahres zu 100 Prozent Daimler-Chrysler. Es beschäftigt rund 24 000 Mitarbeiter in 60 Ländern. Es stellt unter anderem Züge und Lokomotiven her. Der Konzernverlust betrug bei einem Umsatz von 6,5 Milliarden Mark im vergangenen Jahr 762,8 Millionen Mark. Auch für dieses Jahr wird ein dreistelliger Millionen-Verlust erwartet.

Mehr als ein Drittel des Welt-Umsatzes von 6,5 Milliarden Mark (1998) entfällt auf die deutsche Gesellschaft mit Sitz in Hennigsdorf bei Berlin. Sie war bisher auch hauptsächlich für die hohen Verluste verantwortlich. In Deutschland hält sich der Verlust im angepeilten Rahmen, hiess es aus dem Unternehmen. In der Schweiz, in der bis Mitte 1999 noch von einem Gewinn die Rede war, wird sich der Verlust auf etwa 35 Millionen Euro belaufen.

Adtranz war nach der Zusammenlegung der Bahnsparten von Daimler-Benz und ABB Asea Brown Boveri im Januar 1996 als weltgrößter Schienentechnikkonzern gestartet. Damals hieß das Unternehmen noch ABB Daimler-Benz Transportation GmbH (Adtranz) mit Sitz in Berlin. Es entstand ein Konzern mit heute weltweit knapp 24 000 Beschäftigten in rund 60 Ländern. Etwa drei Viertel der Mitarbeiter sind in Westeuropa tätig und jeweils zehn Prozent in Amerika und in Osteuropa. Drei Prozent entfallen auf Asien. Bisher verfügt Adtranz über 48 Fertigungswerke in 19 Ländern.

Nach der Komplettübernahme durch Daimler-Chrysler Anfang 1999 firmiert das Unternehmen als Daimler-Chrysler Rail Systems. Danach bekam Adtranz eine neue Struktur. Im Segment Nahverkehr wurden Straßenbahnen, Metros sowie Bahngesamt- und Bahnfahrwegsysteme zusammengefasst. Zum Fernverkehr gehören S-Bahnen, Regionalzüge, Intercity-, Interregio- und Hochgeschwindigkeitszüge, elektrische und Diesellokomotiven, Güterverkehr und Signaltechnik. Das Geschäftsfeld Systeme und Komponenten umfasst Drehgestelle, Wagenkästen, Stromrichter und Antriebe. Hinzu kommt das Segment Marketing und Service.