BASF Vitamin-Strafen drücken den Gewinn

Die Kartell-Strafen haben den Gewinn gründlich verhagelt. Ohne die Rückstellungen - die wahrscheinlich zu niedrig sind - wäre das Ergebnis um 17 Prozent gestiegen.

Ludwigshafen - BASF sei wegen der Kartellstrafen keineswegs gezwungen, Unternehmensteile zu verkaufen, meinte der BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Strube, bei der Vorlage der Neunmonatszahlen. Vielmehr seien die geplanten Veräußerungen Teil einer seit Jahren verfolgten Strategie der Konzentration auf Kerngeschäfte fort. Die Solvenz sei nicht gefährdet.

Dennoch haben die Geldstrafen wegen des aufgedeckten Vitamin-Kartells in den USA haben dem Chemiegiganten BASF den Gewinn gründlich verhagelt. Am Donnerstag legte der Ludwigshafener Konzern die Zahlen für die ersten neun Monate 1999 vor und berichtete einen Ergebnisrückgang von 10,6 Prozent. Im dritten Quartal liege das Ergebnis vor Steuern um 62 Prozent, nach Steuern um 77 Prozent unter dem des entsprechenden Vorjahreszeitraums.

Dividende unklar, leichter Verlust an der Börse

Die Höhe der Dividende bleibt unklar. Nach Aussagen von Strube werde sich die Zahlung für das Jahr 1999 nicht an dem operativen Ergebnis des Konzerns orientieren werde. Zwar habe BASF stets betont, die Dividende werde sich am Ergebnis orientieren, dabei sei aber nie das operative Ergebnis gemeint gewesen. Ob die Dividende das Vorjahres beibehalten werde oder ob es Abstriche geben werde, könne heute noch nicht gesagt werden, meinte Strube. An der Börse konnten sich BASF mit leichten Rückgängen fast noch behaupten.

Für das laufende Geschäft berichtete BASF eine positive Entwicklung, der aber die Sonderbelastungen von mehr als 330 Millionen Euro (rund 645 Millionen Mark) gegenüber stünden. "273 Millionen Euro davon bilden die Rückstellungen für Schadenersatzklagen in den USA wegen kartellrechtlicher Verstöße im Vitamingeschäft", berichtete BASF. Erst Anfang November hatten sich in den USA sieben wegen des Kartells verurteilte Vitaminhersteller mit Sammelklägern auf eine außergerichtliche Einigung von rund 1,2 Milliarden Dollar geeinigt.

273 Millionen Euro Rückstellungen noch zu niedrig

BASF zahlt nach eigenen Angaben 535 Millionen Mark (237 Millionen Dollar) von der Gesamtsumme in dem angestrebten zivilrechtlichen Vergleich. Bereits im Mai dieses Jahres war der Konzern im Strafverfahren wegen der verbotenen Preis- und Marktabsprachen mit 412 Millionen Mark Bußgeld zur Kasse gebeten worden.

Die Rückstellungen sind möglicherweise zu niedrig. Grossabnehmer von Vitaminen wie die Nahrungsmittelkonzerne Kellogs und Quaker bereiten eigene Schadenersatzklagen vor, eventuell droht auch noch eine EU-Strafe. Diese Zahlungen sind in den aktuellen Rechnungen nicht enthalten. Davon abgesehen, konnte BASF im Geschäft zulegen. "Den Umsatz konnten wir deutlich steigern, das Ergebnis vor Sonderbelastungen sogar um rund 17 Prozent", hieß es. Der Umsatzrückgang aus dem ersten Halbjahr habe damit mehr als ausgeglichen werden können. Für das Gesamtjahr erwarte BASF eine leichte Umsatzsteigerung im Vergleich zum Vorjahr.