Freitag, 21. Februar 2020

Russland Schulden wachsen wie ein Schneeball

2. Teil: Einkaufen auf Pump

Einkaufen auf Pump

Auch Gasprom geht gerne auf Pump einkaufen. Der staatliche Erdgasmonopolist hatte 2005 den Ölproduzenten Sibneft vom russischen Magnaten Roman Abramowitsch erworben. Die dafür in Rechnung gestellten 13 Milliarden US-Dollar hat der Konzern bei einem Bankensyndikat, angeführt von Dresdner Kleinwort und ABN Amro Börsen-Chart zeigen, ausgeliehen. Jetzt verhandelt Gasprom mit der ABN Amro und Credit Suisse Börsen-Chart zeigen über weitere 10 Milliarden Dollar. Damit will Gasprom sein Kontrollpaket bei Sachalin-2 — dem größten Flüssiggasprojekt der Welt — finanzieren. Außerdem steht die Finanzierung des Kovykta-Felds noch aus, eines weiteren Flüssiggasprojekts, das der Staatskonzern jüngst von British Petrol (BP) übernommen hat.

Im Zwiegespräch: Deutschlands Einfluss auf Russland ist gering.

Hinter der zügellosen Kaufwut vermuten Experten mehr politisches als wirtschaftliches Kalkül. 2005 trat der russische Präsident Wladimir Putin mit der Initiative vor, alle strategisch wichtigen Wirtschaftsbranchen wieder unter Staatskontrolle zu stellen. Diese Initiative und der darauf aufbauende Gesetzentwurf sorgten für einen regelrechten Aufruhr unter ausländischen Investoren und ihren politischen Lobbyisten. Die westlichen Partner Moskaus fordern ein Konsultations- und Mitspracherecht bei der Entwicklung des Gesetzes. So zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel beim EU-Russland-Gipfeltreffen im russischen Samara. Die Proteste im Westen haben auf den ersten Blick eine Wirkung: Die Gesetzesdebatte wird im Parlament seit gut einem Jahr nicht vorangetrieben.

Indes kaufen aber die staatlichen Konzerne in enger Zusammenarbeit mit den Aufsichts- und Steuerbehörden auf das vorgegebene Ziel hin. So übernahm Gasprom die Kontrolle über Sachalin-2, nachdem die russische Umweltbehörde dem britisch-niederländischen Konzern Shell Börsen-Chart zeigen die Umweltlizenz entzog. Das gleiche Szenario spielten Umweltbehörde und Gasprom mit BP auf dem Kovykta-Gas-Feld durch. Der Konzern Rosneft bediente sich der Aktiva von Jukos, nachdem Steuerbehörden den privaten Ölkonzern in den Konkurs gezwungen hatten. Die beiden Energieriesen schaffen so vollendete Tatsachen. Und die sind in Russland oft bindender als die Gesetze.

Die Schulden werden später leicht über die Börse weitergereicht. Die Börsengänge staatlicher Unternehmen und ihrer Töchter gewinnen bei russischen Privatinvestoren zunehmend an Attraktivität. Jede Neuemission spült immer mehr Geld in die Kassen der Emittenten. Die Aktieninvestments schlagen bald die Immobilie, bisher die absolute Lieblingsanlage der Russen. Die staatlichen Konzerne liegen auch hier klar in Führung: Seit dem Sommer 2003 ist der russische Aktienindex RTS um das Vierfache gewachsen, die Gasprom-Aktie aber fast um das Achtfache. Auch die Obligationen der Staatsunternehmen finden an der Börse rauschenden Absatz. Diese enorme Nachfrage und der steigende Ölpreis schaffen Wunder. Bald können die Staatsriesen ganz entschuldet sein.

Die Aktienanleger machen dabei aber ein riskantes Geschäft: Sollten die Energiepreise stark fallen, so reißen sie die Papiere der hochverschuldeten Konzerne mit in die Tiefe. Die Anleihen sind dagegen weniger riskant: "Die Regierung Russlands lässt kein staatliches Unternehmen in Zahlungsverzug geraten", versichert der russische Wirtschaftsminister German Gref.

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