Roland Koch "Rattenfängerei der Banken"

Ab 2009 soll die Abgeltungsteuer gelten. Wer davon profitiert, wer darunter leidet - und warum der Politiker Roland Koch das Vorgehen der Banken als Rattenfängerei bezeichnet.

Frankfurt am Main - Die Abgeltungssteuer ab 2009 bevorzugt nach Ansicht von Bankexperten gutverdienende Anleger mit hohem persönlichem Einkommensteuersatz sowie hohen Zinseinnahmen. Wer dagegen hauptsächlich auf Kursgewinne setzt, kommt nach Angaben der ING-Diba künftig schlechter weg.

Negativ betroffen sind unter Umständen auch Geringverdiener, wie die Bank in Frankfurt am Main mitteilt. Gutverdiener, die mit ihren Zinseinnahmen aus Anleihen, Festgeld oder Tagesgeldkonten deutlich über dem seit diesem Jahr auf 750 Euro (1.500 Euro für Verheiratete) gesenkten Sparerfreibetrag liegen, mussten nach den Angaben der Experten bisher gegebenenfalls den Spitzensteuersatz von 42 Prozent auf ihre Zinserträge zahlen, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer noch nicht gerechnet. Für sie sinkt die Steuer auf Kapitalerträge ab 2009 um bis zu 40 Prozent.

Verlierer der neuen Steuer sind der ING-Diba zufolge vermögende Anleger, die bisher hauptsächlich auf Kursgewinne gesetzt haben. Diese blieben bisher steuerfrei, wenn die Geldanlage mindestens zwölf Monate im Depot gehalten wurden. Künftig werden auf Kursgewinne unabhängig von der Haltezeit 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig.

Geringverdienende Kleinanleger müssen zwar nicht die volle Abgeltungssteuer zahlen. Sie zahlen nach Angaben der ING-Diba auf Antrag beim Finanzamt künftig auch auf Kapitalerträge den persönlichen Einkommensteuersatz, wenn der unter 25 Prozent liegt. Allerdings entfällt auch für sie die Steuerfreiheit nach einem Jahr Haltezeit. Zudem wurde eine Freigrenze von 512 Euro pro Person gestrichen, die bisher für geringe Spekulationsgewinne innerhalb eines Kalenderjahres galt.

Die Banken haben sich auf dieses System bereits eingestellt. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat die Banken allerdings gewarnt, ihre Kunden mit immer neuen Angeboten zur Steuerflucht aus Deutschland zu verhelfen. "Politik hat ein Interesse, dass die jetzigen Regelungen verlässlich sind. Aber Teile der Kreditwirtschaft müssen mit provozierenden Versuchen aufhören, Deutschland zu einem Steuerfluchtland zu machen", sagte Koch der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag" laut Vorabbericht. Erst am Donnerstag hatte der Bundestag ein Steuerschlupfloch für wohlhabende Fondsanleger in Luxemburg geschlossen.

Ein mögliches Vorziehen des Stichtags zur Abgeltungssteuer im Falle einer massenhaften Steuerflucht schloss Koch nicht aus. Bislang soll die neue Regelung zum 1. Januar 2009 in Kraft treten. Koch machte den Banken in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe: "Ich finde es Rattenfängerei, wie Anleger zu ausländischen Fondsprodukten mit Versprechen von Steuerersparnissen gedrängt werden, die ihnen einen großen Teil ihrer Entscheidungsfreiheit nehmen. Einige Institute gehen mit ihren Kunden und deren Vermögen hier nicht verantwortungsvoll um", sagte er der Wirtschaftszeitung.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp

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