Commerzbank Trend zum Investmentbanking

Die Neunmonatszahlen der Bank überraschten die Analysten nicht. Allerdings bemerken sie eine Ausweitung des Investmentgeschäftes. Eine eigene AG für Internet-Geschäfte weckt weitere Börsenphantasie.

Frankfurt - Das laufende Geschäft der Commerzbank, besonders mit Wertpapierkunden, entwickelt sich nach Angaben des Vorstandssprechers der Commerzbank AG, Frankfurt, Martin Kohlhaussen, weiter erfreulich. Er sei zuversichtlich, ein Jahresergebnis erzielen zu können, das sowohl von der Ertragsstruktur als auch von der Höhe her befriedige, betonte der Vorstandssprecher.

Obwohl das Konzernergebnis nach Steuern in den ersten neun Monaten des Jahres um 2,4 Prozent unter Vorjahr gelegen habe, sei das Ergebnis strukturell eindeutig besser ausgefallen. Es verdiene die Marke "deutlich vorangekommen", betonte der Commerzbank-Chef. Es gebe daher derzeit auch keinen Anlass, Dividendenerwartungen zu dämpfen. Auch im vierten Quartal werde weiter mit einer erfreulichen Entwicklung gerechnet.

Analysten waren von dem Ergebnis nicht überrascht. Die Commerzbank zeige die gleiche Tendenz wie die anderen Großbanken, heisst es etwa aus der WGZ-Bank. So erhöhten sich das Handelsergebnis und der Provisionüberschuss deutlich. Demgegenüber steht ein gestiegener Verwaltungsaufwand, den die Commerzbank mit dem Jahr-2000-Problem sowie IT-Investitionen begründet.

Auffällig für WGZ-Analyst Heese ist der Trend zum volatilen Geschäft. Der Bereich Handelsergebnis und Provisionsüberschuss mache mittlerweile mehr als 50 Prozent im Betriebsergebnis aus, während der Zinsüberschuss weniger als die Hälfte ausmache. Daraus lasse sich ableiten, dass sich die Commerzbank in Richtung Investmentbank entwickele.

Europäische Investmentbank weiter geplant

Im Interesse einer rationelleren Abwicklung von Geschäftsprozessen, etwa im Zahlungsverkehr und bei Wertpapieren, hält Kohlhaussen größere Einheiten für sinnvoll. Die Konsequenz daraus müßten jedoch nicht Fusionen sein, bekräftigte der Vorstandssprecher. Vielmehr seien Ausgliederungen und später auch das Zusammenlegen solcher "Transaction Banks" denkbar.

Die Commerzbank stelle hierzu Überlegungen im Inland an prüfe aber gleichwertig derartige Möglichkeiten auf internationaler Ebene, sagte Kohlhaussen weiter. Die Fertigungstiefe nahezu aller großen Banken in Westeuropa sei noch viel zu groß.

Diese "full manufactured houses" könnten Kohlhaussen zufolge auch gemeinsame Abwicklungsfabriken betreiben. Darüber hinaus ließen sich für eine Reihe anderer Geschäftszweige ähnliche strategische Visionen entwickeln, etwa für das Investmentbanking, erläuterte der Vorstandssprecher.

Die Idee einer europäischen Investmentbank sei unverändert gut, meinte Kohlhaussen, sie werde auch von den Partnerbanken in Europa für gut befunden. Ein Hemmschuh sei in diesem Zusammenhang allerdings, dass sich die spanischen, französischen und italienischen Partner derzeit alle in der Frühphase einer eigenen Fusion befänden und daher mit sich selbst beschäftigt seien.

Filialen bleiben, Kooperationen sind aber möglich

Die Commerzbank stimme nicht in das aktuelle Lamento über die angeblich völlig unbefriedigende Ertragssituation im Fililageschäft Inland ein. Das Commerzbank-Filalsystem mit seinen rund 3,8 Mio Kunden stehe deshalb außerhalb jeder Diskussion. Dies, so Kohlhaussen, schließe eine gemeinsame Abwicklung im Zahlungsverkehr oder Wertpapiergeschäft gegebenenfalls mit anderen Instituten nicht aus.

Insofern würden immer wieder Ideen geprüft. Die entscheidende Kunde-Bank-Beziehung im Front Office werde die Bank jedoch nicht aus der Hand geben. Im Filialgeschäft habe das Institut in den vergangenen Jahren seien Marktanteil bei Standard-, Individual- und Firmenkunden sukzessive erhöhen können, sagte Kohlhaussen.