Erbschaftsteuer Kinder und Enkel begünstigt

Die Reform der Erbschaftsteuer kommt: Künftig sollen Erben von Immobilien nicht mehr besser gestellt werden als diejenigen, die Bargeld erben. Die Freibeträge für Ehegatten, Kinder und Enkel werdem deutlich angehoben. Auch Firmeneerben können künftig um einen Teil ihrer Erbschaftsteuern herumkommen.

Berlin - Die große Koalition hat sich auf ein Konzept zur Reform der Erbschaftsteuer geeinigt. Dies teilten die Spitzen der zuständigen Arbeitsgruppe mit, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU).

Koch berichtete, dass eine deutliche Erhöhung der Freibeträge angestrebt werde. So sollen etwa Ehefrauen künftig 500.000 Euro steuerfrei erben können statt bisher 300.000 Euro. Für Kinder ist eine Erhöhung von bislang 205.000 auf 400.000 Euro vorgesehen.

Für Unternehmen will die große Koalition ein Abschmelzmodell in Kraft setzen. Danach sollen die Steuern nach zehn Jahren ganz entfallen, wenn das Unternehmen in seinen wesentlichen Strukturen fortgeführt wird. Die Summe aller gezahlten Löhne und Gehälter muss beispielsweise nach diesen zehn Jahren mindestens 70 Prozent der Lohnsumme zum Zeitpunkt des Erbfalls entsprechen. Steuerfrei gestellt werden dabei aber pauschal nur 85 Prozent des geerbten Betriebsvermögens.

Die Reform soll rückwirkend zum 1. Januar 2007 in Kraft treten. Wer will, kann sich aber 2007 noch nach dem alten Erbschaftsteuerrecht veranlagen lassen.

Die Reform war notwendig geworden, weil das Bundesverfassungsgericht die bisherige Erbschaftssteuerregeln für nichtig erklärt hatte. Denn bisher wurden unterschiedliche Maßstäbe zur Besteuerung von Geld- und Immobilienvermögen angelegt, bei denen Erben von Häuser und Grundstücken oft deutlich besser abschnitten.

Bisher wurden zum Beispiel Immobilien nur zu rund 60 Prozent ihres tatsächlichen Verkehrswertes besteuert, Bargeld dagegen im vollen Umfang Künftig allerdings muss das Immobilienvermögen ebenfalls zum tatsächlichen Wert besteuert werden. Zum Ausgleich wurden jetzt die Freibeträge angehoben. Nahe Verwandte können nun auch weiterhin in vielen Fällen die Immobilie etwa ihrer Eltern nahezu steuerfrei erben.

Das Verfassungsgericht macht das ausdrücklich mit. Die Richter hatten bei den Parlamentariern zwar eine einheitliche Bewertung von Vermögensarten angemahnt, bei der Besteuerung selbst aber Begünstigungen im öffentlichen Interesse ausdrücklich erlaubt.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters