VW-Gesetz "Der lähmende Faktor ist weg"

Der Europäische Gerichtshof hat das VW-Gesetz als rechtswidrig beurteilt. Was bedeutet das für die Aktien für VW und Porsche? Und was für die Konkurrenz? manager-magazin.de spricht mit dem Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Speich, der EuGH hat das VW-Gesetz als gesetzeswidrig eingeordnet – sind Sie erleichtert?

Speich: Das wäre zu viel gesagt, zumal das Urteil keine wirkliche Überraschung ist. Die meisten haben es erwartet, weil es offenkundig war, dass das Gesetz gegen den europäischen Grundsatz der Kapitalfreiheit verstößt. Allerdings war das Gesetz ein lähmender Faktor, der nun wegfällt. Insofern tut der Entscheid den Aktien gut.

mm.de: Wie geht es nun weiter?

Speich: Bei Volkswagen  ist es die Frage, wie sie ihre Strategie umsetzen. Eine operative Aufgabenstellung, wenn Sie so wollen. Bei Porsche  wiederum liegt das anders. Dort ist es eher eine mittelfristige Frage. Klar ist nur, dass Porsche seine Beteiligung auf über 50 Prozent aufstocken will. Ich vermute, es werden gut 75 Prozent werden. Immerhin hält Porsche eine ganze Menge Optionen. Die Frage ist nur, wie viele davon sie ausüben und zu welchem Kurs. Denn ob Sie zu 40 oder zu 120 Euro eine VW-Aktie bekommen, das ist bei den Volumina schon ein Riesenunterschied.

mm.de: Hat sich Porsches Position verbessert?

Speich: Ich denke schon. Das sehen Sie schon an der Arbeitnehmervertretung. Dort werden die gleiche Anzahl von VW-Vertretern und von Porsche-Vertretern sitzen. Die VW-Leute vertreten allerdings über 300.000 Arbeiter, die von Porsche nur 12.000. Das hat Wiedeking klug eingefädelt.

"VW ist gut vorbereitet"

mm.de: Wie lange dauert es, das Urteil umzusetzen?

Speich: Nun, da gibt es verschiedene Wege. Entweder das geschieht über eine Gesetzesänderung oder über die Änderung der Satzung in der Hauptversammlung. Etwas Zeit wird also noch ins Land gehen. Zumindest bis Sommer nächsten Jahres muss Porsche sich äußern, in welchem Umfang sie Optionen ausüben.

mm.de: Ist VW eigentlich vorbereitet auf die Zeit ohne den Schutz des Gesetzes?

Speich: VW hatte genug Zeit, sich vorzubereiten. Und sie haben sich offenbar gut vorbereitet. Nehmen Sie die Kostenseite. Das Sparprogramm von Wolfgang Bernhard trägt jetzt Früchte. Ich denke auch, VW fährt den richtigen Kurs als "Premiumhersteller im Massensegment". Die dominierenden französischen und italienischen Produzenten im Kleinwagenbereich bekommen zusehends Probleme. VW hat seine Position in der Vergangenheit also bereits verbessert.

mm.de: Ist so eine Beteiligung eines kleinen Herstellers aus der gleichen Industrie eigentlich eine Option auch für andere Hersteller?

Speich: Das glaube ich nicht. Porsche war da in einer Sondersituation, kannte das Unternehmen sehr gut. Daimler hat keine ähnliche Eigentümerstruktur, da klappt das nicht. Die Quandts bei BMW spielen bereits die Rolle des Geldgebers, das würde also auch nicht klappen. Bei Fiat spielt man eher Zerschlagungsfantasien, überlegt den Autosektor auszulagern. Und an Peugeot und Renault sind gleichfalls Familien beteiligt.

mm.de: Was bedeutet der Entscheid für professionelle Anleger?

Speich: Viele spielen aktuell etwas Arbitrage, tauschen also Vorzugsaktien gegen Stammaktien. Ansonsten sind das gute Nachrichten. Einfach gesagt: Porsche hat die Zügel bereits jetzt fest in der Hand und will mehr. Der Weg dazu ist jetzt frei.

mm.de: Wie sieht Ihre eigene Beteilung an Porsche und VW eigentlich aus – haben Sie in der jüngeren Vergangenheit Aktien gekauft oder planen Sie, weitere zu kaufen?

Speich: Sagen wir, wir sind mit unser aktuellen Positionierung sehr zufrieden.

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