Kreditkrise Dresdner Bank prüft Beteiligung an Krisenfonds

Die Dresdner Bank zieht ein Engagement bei dem milliardenschweren US-Rettungsfonds für in Not geratene Zweckgesellschaften in Betracht. Bislang sind nur US-Banken mit von der Partie. Sollte sich die Dresdner für eine Beteiligung entscheiden, könnte dies ein Signal für die ganze Branche sein.

Frankfurt am Main/Hamburg - Die Dresdner Bank prüft eine Beteiligung an dem geplanten US-Kreditkrisenfonds. Die Initiatoren des Fonds seien an die Allianz-Tochter herangetreten, sagte ein Sprecher der Dresdner Bank am Montag. Die Prüfung laufe. Das "Handelsblatt" hatte zuvor einen Sprecher des Frankfurter Instituts am Rande der der IWF-Jahrestagung in Washington mit entsprechenden Aussagen zitiert.

Der vom US-Finanzministerium vorgeschlagene Krisenfonds soll von den Großbanken Citigroup , Bank of America  und JP Morgan gemeinsam mit anderen Banken aufgebaut werden und in knapp drei Monaten an den Start gehen. Er soll dazu dienen, marode Hypothekendarlehen und andere Finanzinstrumente zurückzukaufen, um größere Schäden an den Märkten weltweit zu verhindern. Der Fonds soll ein Volumen von bis zu 100 Milliarden Dollar haben.

Der Dresdner-Bank-Sprecher sagte, Aussagen zur Höhe eines möglichen Engagements seien nicht möglich. Deutsche Banken hatten dem Vernehmen nach bislang eher ablehnend auf die Pläne der Amerikaner reagiert. Der Rettungsfonds werde als Indiz dafür bewertet, dass US-amerikanische Großbanken ihre Verluste nicht eingestehen wollten. Zudem wurde gemutmaßt, dass der Fonds vor allem der Citigroup zugute kommen könnte, da die größte US-amerikanische Bank mit bis zu 80 Milliarden Dollar in außerbilanziellen Zweckgesellschaften (Conduits) engagiert ist, deren schlecht bewertete Papiere der Fonds aufkaufen soll. Bislang hat lediglich die britische Großbank HSBC öffentlich verkündet, dass sie sich an so einem "Super-Conduit" nicht beteiligen werde.

Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) und Commerzbank-Chef, Klaus-Peter Müller, zeigte sich in Washington skeptisch: "Die Frage ist, was mit solchen Fonds beabsichtigt ist." Noch sei eine abschließende Beurteilung des "Superfonds" nicht möglich, da zu wenige Informationen vorlägen. Er warnte aber auch vor einer vorschnellen Verurteilung. "Positiv wäre es, wenn der Superfonds durch Bereitstellung von Liquidität und mehr Preistransparenz dazu beiträgt, den Markt wieder in Gang zu setzen."

Für Merck-Finck-Analyst Konrad Becker ist der geplante Fonds ein Indiz dafür, dass die Kreditkrise entgegen jüngster Einschätzungen am Markt noch nicht gelöst ist. Die US-Banken hätten lediglich die aktuellen Bewertungsveränderungen für das dritte Quartal nachvollzogen. Gleichwohl könnten künftig noch weitere Belastungen auf die Institute zukommen.

Becker schließt nicht aus, dass sich noch andere als US-amerikanische Institute an dem Krisenfonds beteiligen werden, auch wenn sie dabei eine kleinere Rolle spielen dürften, erklärte der Bankenexperte unlängst im Gespräch mit manager-magazin.de. Viele europäische Institute seien direkt oder indirekt am US-amerikanischen Hyothekenmarkt investiert. Insofern gebe es selbstverständlich ein über die Grenzen der USA hinausreichendes Interesse, dass das Problem über so einen Krisenfonds zumindest gelindert werde, sagte der Analyst.

Becker geht indes davon aus, dass die Banken nur einen kleineren Teil des Fondsvolumens aus eigenen Mitteln beisteuern werden. Der Fonds werde vermutlich Wertpapiere herausgeben, für die die Banken geradestehen, um dann mit dem vereinnahmten Erlös die in Not geratenen Produkte verschiedener Conduits aufzukaufen.

Bereits bei der LTCM-Krise im Jahr 1998 hatten die Banken auf eine ähnliche Lösung gesetzt. Über eine Auffanggesellschaft kauften sie Forderungen des in Not geratenen Hedgefonds auf, um zu verhindern, dass dieser mit Notverkäufen den ganzen Markt zu Boden zieht.

manager-magazin.de mit Material von reuters