Kreditklemme "Krise ist beherrschbar"

Die weltweiten Turbulenzen an den Finanzmärkten sind nach Ansicht führender Banker beherrschbar. Einige Banken seien jedoch immer noch gefährdet, räumt der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, während einer Branchentagung ein.

Washington - "Die Krise wird aller Wahrscheinlichkeit nach unter Kontrolle zu bringen sein", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei einer Diskussion des Institute of International Finance (IIF) am Sonntag in Washington.

Die Weltwirtschaft sei heute wesentlich flexibler als früher, begründete er seine Zuversicht. Der Chef der französischen Großbank BNP Paribas, Baudouin Prot, sagte: "Wir können mit der derzeitigen Liquiditätskrise gut umgehen."

Der Franzose wollte aber noch keine Entwarnung geben: "Die Krise ist ernst." Die Folgen der Finanzkrise, die durch zweitklassige US-Hypothekendarlehen (Subprime) ausgelöst wurde, für die Weltwirtschaft seien noch nicht zur Gänze erkennbar, räumte auch Ackermann ein. Einige Banken seien immer noch gefährdet.

In Deutschland mussten die Mittelstandsbank IKB und die SachsenLB durch großangelegte Rettungsaktionen mit Milliardensummen gerettet werden.

Mehr Eigenkapital zur Deckung der Risiken

Die weltweite Finanzkrise steht in diesem Jahr im Zentrum der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington. Dabei diskutieren die Mitglieder des IIF, einer Vereinigung von Banken, Versicherungen und anderen Finanzdienstleistern, über die Lehren, die aus der Krise zu ziehen sind, und deren Umsetzung. Ackermann ist Vorsitzender des IIF.

Eine Forderung der internationalen Finanzwelt ist die rasche Einführung der neuen Eigenkapitalregeln Basel II. Banken müssen danach in Zukunft Kredite je nach Risikograd mit Eigenkapital hinterlegen. Für Darlehen mit höherem Risiko muss künftig mehr Kapital auf die Seite gelegt werden als bisher.

Während Europa die Vorschriften bereits Anfang dieses Jahres eingeführt haben, soll es in den USA bis 2008 oder gar 2009 dauern.

Die Börsen waren in der vergangenen Woche erneut unter Druck geraten. Der Dax  verlor auf Wochensicht 2, der Dow Jones  mehr als vier Prozentpunkte.

manager-magazin.de mit Material von reuters