Benzin/Heizöl Ölpreis-Rally schröpft Verbraucher

Die deutschen Autofahrer und Heizölkunden bekommen die Rekordpreise beim Rohöl jetzt mit Macht zu spüren. Benzin und Heizöl werden deutlich teurer. Ein Ende des Preisanstiegs ist vorerst nicht in Sicht. Manche Experten halten die Ölpreisrally volkswirtschaftlich für "gefährlich", doch es gibt auch Gewinner.

Hamburg - Nachdem der Ölpreis zum ersten Mal 90 Dollar überschritten hat, erreichte Diesel in Deutschland einen Rekordpreis von 1,23 Euro pro Liter. Das teilte der Hamburger Fachdienst EID am Freitag mit. Ein Liter Superbenzin lag den Angaben zufolge bei 1,39 Euro. Auch Heizöl ist zu Beginn der Heizperiode teuer: 65,5 Cent pro Liter. Bei allen Produkten drohen weitere Preissteigerungen.

US-Leichtöl verteuerte sich am Donnerstag im Computerhandel an der New Yorker Rohstoffbörse auf den Allzeitrekord von 90,02 Dollar pro Barrel (159 Liter). Am Freitag fiel der Ölpreis nach Gewinnmitnahmen auf 88,81 Dollar, die Nordsee-Sorte Brent kostete 83,89 Euro. Experten warnen dennoch vor einem Anstieg auf 100 Dollar pro Barrel. US-Präsident George W. Bush sprach sich angesichts der Rekordstände für niedrige Preise aus.

Für die Bundesbürger ist eine schnelle Preisentlastung nicht in Sicht, denn die Großhandelspreise für Diesel und Benzin sind weiter hoch: Eine Tonne Diesel kostete in Rotterdam 767 Dollar, deutlich mehr als zu Wochenbeginn. Auch Benzin wurde nach Angaben laut Shell sehr hoch gehandelt.

Mehrere Faktoren treiben den Ölpreis

Diesel hatte laut Shell zuletzt mit 1,21 Euro pro Liter am 22. September einen Höchststand erreicht. Der bisherige Höchstpreis für Super von 1,43 Euro datiert auf den 22. Mai. Shell nannte leicht niedrige Preise als der EID, bestätigte aber den Aufwärtstrend. Der bisherige Höchstpreis für Heizöl sind 68 Cent vom Herbst 2005.

Ein Mix von Ursachen treibt die Ölpreise: hohe Nachfrage, Spannungen an der türkisch-irakischen Grenze, der schwache Dollar. Der jüngste Nachfrageschub zum Wochenende kam aber vom schwachen Dollar, wie Analysten erklärten. Käufer decken sich mit Öl ein, um bei einem weiteren Dollarverfall versorgt zu sein. Öl wird weltweit in Dollar gehandelt. Der Dollarkurs war am Donnerstag erneut gefallen.

Euro und Dollar beim Ölpreis ein Nullsummenspiel

Rohstoffpreise steigen historisch gesehen in Zeiten schwacher Dollarkurse immer: Die Lieferanten wollen so ihre Kaufkraftverluste in anderen Währungen ausgleichen. So ist der schwache Dollar und der teure Euro am Ende beim Öl ein Nullsummenspiel für die Kunden in Europa: Der hohe Eurokurs macht zwar das Rohöl billiger, aber aus genau diesem Grund steigt der Ölpreis. Nach einschlägigen Statistiken haben außerdem Spekulationskäufe in den vergangenen Tagen zugenommen.

Grund für den Anstieg des Ölpreises war außerdem die Sorge, der Konflikt zwischen der Türkei und kurdischen Rebellen könnte die Öllieferungen aus dem Nordirak beeinträchtigen. Die Regierung in Ankara hatte aber mitgeteilt, eine Militäraktion stehe nicht unmittelbar bevor. Jede Art von Unruhe oder Kriegsgefahr im Nahen Osten wirkt sich auf den Ölpreis aus, weil in der Region die wichtigsten Ölreserven der Welt lagern.

Der hohe Ölpreis kennt auch Gewinner

Konjunktur könnte Schaden nehmen

Die steigenden Rohölpreise haben nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) derzeit aber nur einen begrenzten Einfluss auf die Weltwirtschaft. Das Risiko für die Konjunktur bleibe dennoch groß, sagte IWF-Generaldirektor Rodrigo de Rato vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank an diesem Wochenende. Die Preisexplosion an den Ölmärkten könnte vor allem in Ländern mit einer schnell wachsenden Wirtschaft zu einem Inflationsproblem führen, warnte De Rato.

Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), nennt den hohen Ölpreis "volkswirtschaftlich gefährlich, wenn es in Richtung 100 Dollar pro Barrel geht, was wir im Moment ja sehen". Das würde wirtschaftliche Einbußen von 0,1 Prozentpunkten pro Jahr verursachen, sagte sie.

Bundesbankpräsident Axel Weber erwartet trotz des jüngsten Anstiegs keinen anhaltenden Höhenflug der Ölpreise. "Die jetzigen Ausschläge sollte man nicht für permanent nehmen", sagte Weber am Freitag in Washington. Dennoch verwies auch Weber darauf, dass ein Ölpreis im Bereich von 90 bis 100 Dollar je Barrel (159 Liter) gleichzeitig Abwärtsrisiken für das Wachstum und Aufwärtsrisiken für die Inflation beinhalte.

Der hohe Ölpreis kennt auch Gewinner

Der hohe Ölpreis kennt aber auch Gewinner. Beim weltgrößten Chemiekonzern BASF verteuern sich mit dem hohen Ölpreis auch viele Chemierohstoffe. Andererseits steigen dadurch aber auch die Gewinne der Öl- und Gastochter Wintershall: Eine Zunahme um einen Dollar je Barrel steigere den Umsatz um 100 Millionen Euro und den Gewinn vor Zinsen und Steuern um 45 Millionen Euro, sagte eine BASF-Sprecherin.

Auch für den Exportweltmeister Deutschland ist das teure Öl gut, wenn Erdöl exportierende Länder dank höhere Einnahmen mehr Produkte "Made in Germany" nachfragen. "In Branchen wie der Metallverarbeitung oder einigen Chemiesektoren sind die Ausfuhren dorthin um rund ein Drittel gestiegen", sagte Kemfert.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp, dpa, reuters