Investitionen Kapital meidet Amerika

Die US-Wirtschaft verzeichnet wegen der Finanzkrise einen Abfluss der ausländischen Direktinvestitionen. Die Mittel fehlen, um das Handelsdefizit zu finanzieren. Weltweit fließt so viel Kapital über Grenzen hinweg wie seit 2000 nicht mehr. Deutschland steigt in der Gunst der Investoren.

Washington - Die langfristigen ausländischen Investitionen in den USA haben im August wegen der Kreditkrise so zügig abgenommen wie seit 1990 nicht mehr. Netto verbuchte die größte Volkswirtschaft der Welt einen Abfluss langfristiger Investitionen von 69,3 Milliarden Dollar, wie das US-Finanzministeriums am Dienstag mitteilte. Im Juli hatten die USA noch einen Zufluss von 20,6 Milliarden Dollar verbucht.

Der Abfluss im August kam für Experten überraschend: Im Schnitt hatten sie mit einem Zufluss von 60 Milliarden Dollar gerechnet. Die Kapital-Daten gelten als Indikator für das Interesse ausländischer Anleger an US-Wertpapieren. Die USA benötigen zur Finanzierung ihres massiven Handelsbilanzdefizits ausländisches Kapital. Ansonsten könnte eine Dollar-Abwertung drohen. Der Dollar  verlor in Folge der Daten etwas an Wert. Insgesamt verbuchten die USA sogar einen Kapitalabfluss über 163 Milliarden Dollar. Das reichte bei weitem nicht aus, um das Handelsdefizit im August von 57,6 Milliarden Dollar zu finanzieren.

Weltweite Direktinvestitionen nahe dem Rekord

Im vergangenen Jahr hatten die USA noch die Spitzenstellung als attraktivster Standort für ausländische Investoren von Großbritannien zurückerobert: Laut dem am Dienstag veröffentlichten Welt-Investitionsbericht der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung, UNCTAD, flossen 2006 in die Vereinigten Staaten 175 Milliarden Dollar Investitionen, die Briten verzeichneten auf dem zweiten Platz 140 Milliarden Dollar. Deutschland landete mit einem Anstieg auf 42,9 Milliarden Dollar von 35,9 Milliarden Dollar hinter Frankreich, Belgien und China auf Platz sechs der UNCTAD-Statistik.

Insgesamt steigerten Unternehmen aus aller Welt ihre Auslandsinvestitionstätigkeit im vergangenen Jahr erheblich: Mit 1,3 Billionen Dollar stieg die Summe der weltweit nicht im Inland getätigten Direktinvestitionen der UN-Organisation zufolge um 38 Prozent und erreichte damit fast den Rekord aus dem Jahr 2000.

Größte Investoren waren der Organisation zufolge multinationale Unternehmen aus den Industrieländern: 84 Prozent der Mittel stammten von ihnen, beinahe die Hälfte aller Direktinvestitionen aus der Europäischen Union (EU). Als Direktinvestitionen gelten etwa Beteiligungen oder Übernahmen von Firmen im Ausland. Neben der guten Konjunktur in vielen Weltregionen seien auch steigende Unternehmensgewinne ein Grund für den Anstieg gewesen. Insbesondere die dann höheren Aktienkurse hätten den Wert von Fusionen und Übernahmen getrieben. Auch für das laufende Jahr rechnet die UN-Organisation mit einem weiteren Anstieg, der aber wegen der Finanzmarktkrise geringer ausfallen könnte.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap

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