Bear Stearns Chinesen wollen einsteigen

Die chinesische Staatsbank Citic interessiert sich für Anteile an der US-Investmentbank Bear Stearns. Am Rand des Parteitags der chinesischen Kommunisten kam die erste offizielle Bestätigung. Chinas Banken würden damit den Wandel von Kaufobjekten zu Käufern vollziehen.

Peking - Die staatliche chinesische Citic-Bank  will bei der wegen der Hypothekenkrise angeschlagenen US-Investmentbank Bear Stearns  einsteigen. Dies bestätigte am Dienstag der Vizechef der chinesischen Bankenaufsicht, ohne Details zu nennen. Bei ausländischen Zukäufen würden Chinas Banken damit "in eine neue Ära eintreten. Und die Geschwindigkeit der Internationalisierung legt zu", sagte Behördenvertreter Jiang Dingzhi auf dem Kongress der regierenden Kommunistischen Partei weiter.

Ein Manager der Citic Group, Chang Zhenming, sagte allerdings, es habe keinen wesentlichen Fortschritt beim Gebot der Chinesen für den Bear-Stearns-Anteil gegeben. Mit diesen Worten bestätigte der Vice Chairman des chinesischen Finanzkonzerns aber erstmals, dass überhaupt ein Interesse an der sechstgrößten Investmentbank der USA besteht. Die "New York Times" (NYT) hatte bereits Ende September über ein Interesse der Chinesen berichtet.

Eine Investition der Citic bei Bear Stearns wäre ein Rollenwechsel: Zuletzt waren viele westliche Institute wie die Royal Bank of Scotland  oder die Bank of America  in großem Stil bei chinesischen Banken eingestiegen. China drängt jedoch schon seit längerem mit Macht auf westliche Märkte. Im Mai etwa war das Land für drei Milliarden Dollar bei der US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone  eingestiegen. Die Aktien von Bear Stearns reagierten im vorbörslichen Handel in New York mit einem Kursanstieg von gut 2 Prozent auf das Interesse aus China.

Medien spekulieren bereits seit längerem über ein Interesse von Citic an Bear Stearns. Die US-Bank ist wegen Fehlspekulationen auf dem Markt für zweitklassige Hypothekenkredite unter Druck geraten und musste zwei Fonds schließen. Ihre Aktien haben seit Beginn der Krise etwa 10 Prozent an Wert eingebüßt - das Institut ist damit noch etwa 14,2 Milliarden Dollar wert. Anfang dieses Monats hatte bereits Konzern-Chef James Cayne erklärt, Bear Stearns erwäge den Verkauf eines Anteils an einen Investor aus China oder dem Nahen Osten.

Der Einstieg von Citic könnte für beide Seiten von Vorteil sein. Bear Stearns will schon seit längerem im Ausland expandieren. Eine Beteiligung der siebtgrößten chinesischen Bank könnte dem Wall-Street-Institut in China einen großen Startvorteil verschaffen. Bei Chinas großen Banken wiederum sind nach einer Serie von Milliarden-Börsengängen die Kassen prall gefüllt. Die Institute halten deshalb Ausschau nach Investitionsmöglichkeiten im Ausland. Citic hatte bei ihrem Börsengang im April 5,4 Milliarden Dollar eingenommen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dow jones

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