Kreditkrise Merrill muss Milliarden abschreiben

Die New Yorker Investmentbank Merrill Lynch erwartet wegen der US-Hypothekenkrise einen Verlust im dritten Quartal. Das Institut rechnet mit Abschreibungen von insgesamt rund fünf Milliarden Dollar. Die Aktie steigt dennoch.

New York - Die Marktturbulenzen infolge der US-Immobilienkrise haben die Bilanz der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch  deutlich belastet. Die Bank werde wegen der Kreditmarktkrise im dritten Quartal einen Verlust in Höhe von 0,50 US-Dollar je Aktie verbuchen, teilte Merrill Lynch am Freitag in New York mit.

Merrill Lynch nimmt bei zweitrangigen Hypotheken und sogenannten CDO-Wertpapieren (Collaterized Debt Obligations) Abschreibungen von 4,5 Milliarden Dollar vor. CDO's sind komplizierte festverzinsliche Wertpapiere, die mit einer Vielzahl von als Sicherheit verfügbar gemachten Titeln abgesichert sind. Bei gehebelten Finanzierunszusagen werden Abschreibungen von netto 463 Millionen Dollar vorgenommen. Solche Finanzierungszusagen - beispielsweise für Akquisitionen auf Pump - wurden von Merrill Lynch auf 31 Milliarden Dollar reduziert gegenüber 53 Milliarden Dollar am Ende des zweiten Quartals dieses Jahres.

Wie schon mehrere europäische Kreditinstitute und zahlreiche amerikanische Investment- und Großbanken ist auch Merrill Lynch von der amerikanischen Hypotheken- und Kreditmarktkrise stark getroffen worden. Das Unternehmen hatte bereits mehrere Spitzenmanager nach Hause geschickt. Es kündigte am Freitag an, dass Vizepräsident David Sobotka (50), der bisher für das Warentermingeschäft zuständig war, neuer Leiter der FICC-Sparte (Anleihen, Währungen und Warentermingeschäfte) wurde.

Merrill-Lynch-Konzernchef Stan O'Neal verwies darauf, dass die Auswirkungen des Marktes viel schwerwiegender gewesen seien als erwartet. Er sehe jedoch trotz andauernder Herausforderungen im strukturierten Finanzbereich in einer Reihe von Märkten Anzeichen einer Normalisierung.

Die von Thomson Financial befragten Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Gewinn von 1,24 Dollar je Aktie gerechnet. Aktien von Merrill Lynch  haben am Freitag im frühen Geschäft 1,56 Prozent auf 75,95 Dollar zugelegt. Merrill Lynch wird seine Quartalsergebnisse am 24. Oktober bekanntgeben.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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