Deutschland Sparen und strahlen

Die Deutschen sparen mehr als im Vorjahr. Allerdings nicht, weil sie etwa von der Kreditkrise verunsichert wären. Zu diesem Ergebnis kommt der Konsumforscher Dirk Mörsdorf von der Gesellschaft für Konsumforschung.

Nürnberg - Die Deutschen legen wieder mehr Geld auf die hohe Kante. Parallel zur gesunkenen Kaufbereitschaft sei die Sparneigung im September nochmals deutlich gestiegen, sagte Konsumforscher Dirk Mörsdorf von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Nürnberg. Bereits seit Jahresbeginn liege die von der GfK monatlich ermittelte Sparneigung über dem Vorjahresniveau.

Dafür gebe es mehrere Gründe. Zum einen hätten viele Bürger im vergangenen Jahr größere Anschaffungen getätigt, um die Mehrwertsteuererhöhung zu umgehen, die Anfang 2007 in Kraft trat. "Jetzt muss der Sparstrumpf wieder aufgefüllt werden", sagte Mörsdorf.

Hinzu komme, dass sich Sparen wieder stärker lohne. "Die Zinsen sind zwar nicht berauschend, aber doch etwas höher als im vergangenen Jahr. Es rechnet sich wieder, Geld zurückzulegen." Schließlich spiele auch die jüngste Verunsicherung der Verbraucher, hervorgerufen durch die Hypothekenkrise in den USA, eine Rolle. "In Zeiten der Unsicherheit wird eher gespart."

Generell reagieren die Verbraucher nach Mörsdorfs Einschätzung jedoch besonnen auf die Bankenkrise. "Im Vergleich zu den Unternehmen und den Finanzexperten zeigen sie sich relativ gelassen", sagte er. Dies hänge auch mit den günstigen Rahmenbedingungen zusammen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sei ebenso gestiegen wie die Tariflöhne. "Die Verbraucher sind wesentlich besserer Stimmung als im vergangenen Jahr", betonte der GfK-Experte. "Man kann nicht sagen, dass der Aufschwung an den Bürgern vorbeigeht."

Für 2008 rechnet Mörsdorf mit einem spürbaren Beitrag des privaten Verbrauchs zum Wirtschaftswachstum. "Die Rahmenbedingungen sprechen für eine tragende Rolle des Konsums." Allerdings dürfe es nicht zu starken Preiserhöhungen kommen. An die Politik appellierte der Marktforscher, die Bürger finanziell weiter zu entlasten. Dabei sei an den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung ebenso zu denken wie an den Solidaritätszuschlag. "Die Politik könnte einiges tun, um den privaten Konsum zu unterstützen", sagte Mörsdorf.

manager-magazin.de mit Material von dpa