Kreditkrise "Auswirkungen 2008 noch stärker"

Der Internationale Währungsfonds warnt vor Auswirkungen der Kreditkrise auf die Weltwirtschaft. Erst 2008 kämen die Effekte voll zum Tragen, meint IWF-Chef Rodrigo Rato. Die Banken kämpfen bereits jetzt mit Wertberichtigungen. Auch die größte japanische Bank räumt mögliche Verluste ein.

Washington/Madrid - Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet kein schnelles Ende der Krise auf den weltweiten Kreditmärkten. Das volle Ausmaß werde erst im nächsten Jahr zu spüren sein, warnte IWF-Chef Rodrigo Rato am Montag. In seinem zwei Mal pro Jahr erscheinenden Bericht zur Stabilität auf den globalen Finanzmärkten prognostizierte der IWF zudem, die Unsicherheit über die Höhe der Verluste bei den Banken dürfte die Anleger noch eine längere Zeit belasten. Die Folgen der Marktturbulenzen sollten daher nicht unterschätzt werden.

"Die Krise hat auch Auswirkungen auf die Realwirtschaft, die 2008 noch stärker spürbar werden und besonders in den USA an Intensität gewinnen", sagte IWF-Chef Rato in Madrid. Zwar sei die Korrektur der Kreditmärkte in Gang. Dies geschehe jedoch langsam und der Normalzustand sei noch nicht erreicht. Eine schnelle Lösung sehe er nicht. Es sei auch noch unklar, ob die Krise das Wirtschaftswachstum nur vorübergehend abbremse.

Der IWF hat angekündigt, im kommenden Monat seine Wachstumsprognosen für die USA, die Euro-Zone und andere Regionen zu senken. Ratos vorsichtiger Tenor zieht sich auch durch den jüngsten in Washington vorgelegten IWF-Bericht: "Die nächste Zeit könnte schwierig werden, da die schockartigen Turbulenzen wahrscheinlich wieder auftreten werden und der Anpassungsprozess etwas dauern wird." Es sei auch nicht auszuschließen, dass sich die Bedingungen an den Kreditmärkten weiter verschlechterten. "Die Unsicherheit bezüglich der Gesamtverluste und der Engagements hat die Risiken an den Märkten weiter erhöht, was potenziell größere Auswirkungen für Finanzinstitute haben kann", hieß es.

Darüber hinaus mahnte der IWF Reformen an: Der Markt und die Politik seien gleichermaßen überrascht worden, wie schnell sich die Krise ausgeweitet habe. "Einige Praktiken, die sich in den strukturierten Kreditmärkten entwickelt haben, werden sich ändern müssen", forderte der Fonds. Die durch massive Ausfälle bei zweitrangigen US-Hypotheken ausgelöste Vertrauenskrise an den Finanzmärkten hat seit einigen Wochen globale Ausmaße angenommen. Die Banken leihen sich untereinander nur noch zögerlich Geld, was zu Liquiditätsengpässen an den Geldmärkten geführt hat. Zentralbanken versuchen, mit niedrigeren Zinsen und Finanzspritzen in Milliardenhöhe gegenzusteuern.

Auch in Deutschland sind die Folgen immer deutlicher zu spüren: Auf die Deutsche Bank  könnte Finanzkreisen zufolge im dritten Quartal eine Belastung von bis zu 1,7 Milliarden Euro zukommen. Hintergrund sei die wegen der weltweiten Kreditkrise nötige Neubewertung von Finanzierungszusagen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Um die Belastung zu reduzieren, versuche die Deutsche Bank zur Zeit, Kreditbedingungen neu zu verhandeln oder Kunden dazu zu bringen, bereits vereinbarte Firmenkäufe abzusagen. Wenn sich die Marktbedingungen verbesserten, könne der Verlust geringer ausfallen, hieß es. Das im Bereich Fusionen und Übernahmen zu den führenden Instituten gehörende Geldhaus lehnte eine Stellungnahme ab.

Die US-Hypothekenkrise bekommen nun offenbar auch japanische Banken zu spüren. Branchenprimus Mitsubishi UFJ Financial Group  kündigte am Sonntag an, man müsse wahrscheinlich einige der Investments mit einem "deutlich niedrigeren Preis" wegen der Folgen der Kreditmarktkrise bewerten. Die Kurse von Wertpapieren seien gefallen, weil der Markt gesunken sei oder nicht richtig bewertet sei, schrieb die Bank in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC. Kräftige Schwankungen an den Aktienmärkten weltweit sowie im Devisenhandel wegen der Hypothekenkrise könnten die Ergebnisse der Bank beeinflussen. Sollte sich das Umfeld für die Kreditmärkte weiter verschlechtern, müsse die Struktur der Kapitalfinanzierung womöglich angepasst werden, was die Kosten erhöhen könnte.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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