Wochenausblick Verschnaufen ist angesagt

Nach dem jüngsten Kursanstieg rechnen Börsianer in der kommenden Woche mit einer Verschnaufpause des Dax. Bleiben neue Hiobsbotschaften in Sachen Kreditkrise aus, dürften sich die Marktbewegungen in Grenzen halten und der Fokus vor allem auf frische Konjunkturdaten richten.

Frankfurt am Main - "Wenn es in den kommenden Tagen weiter nach oben gehen würde, würde mich das überraschen", sagt Fondsmanager Franz Höbel von Allianz Global Investors. Schließlich hat der deutsche Aktienmarkt in den vergangenen Tagen ordentlich Boden gut gemacht: Um rund 4 Prozent ist der Dax  in der vergangenen Handelswoche im Vergleich zur Vorwoche gestiegen - trotz der Subprime-Krise und der Rekordjagd bei Euro und Ölpreis.

Den Anstieg verdankte der Markt den US-Notenbankern. "Die Lage an den Aktienmärkten hat sich nach dem unerwartet deutlichen Zinsschritt der Federal Reserve beruhigt", sagt der Fondsmanager. Die Notenbanken hätten in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun, um ein Ausweiten der Finanzkrise zu verhindern. "Die Zinssenkung kam genau zum richtigen Zeitpunkt", urteilt auch Fondsmanager Boris Boehm von Nordinvest. Allerdings habe sich der Markt kaum Gedanken darüber gemacht, was der deutliche Zinsschritt über die Lage der US-Wirtschaft aussage - "aber man glaubt gar nicht, was alles ignoriert wird, wenn man etwas Positives sucht," sagt Boehm.

Ausgeblendet wurde am Markt auch, dass der Euro  im Anschluss an die Zinsentscheidung der Fed in eine steile Aufwärtsbewegung überging und am Freitag zum ersten Mal in seiner Geschichte die Marke von 1,41 Dollar überwand. "Man darf aber nicht vergessen, dass der steigende Euro auch hilft, die steigenden Rohstoffpreise zu kompensieren", sagt Höbel. Denn zusammen mit dem Euro erreichte auch der Ölpreis in den vergangenen Tage neue Rekordmarken. Momentan ist für den Markt vor allem wichtig, was die Banken sagen - und was aus den USA kommt, meint Höbel. Und von dort kommen in der neuen Woche vor allem viele Konjunkturdaten.

Konjunkturdaten stehen im Vordergrund

So werden am Dienstag die Zahlen zum Verbrauchervertrauen und am Mittwoch die Daten zum Aufträgen für langlebige Güter veröffentlicht. Am Donnerstag folgen die endgültigen Daten zum Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal sowie die Verkaufszahlen neu gebauter Häuser im August. Zum Wochenabschluss werden der Einkaufsmanager-Index aus Chicago und der von der Uni Michigan ermittelte Index des Verbrauchervertrauens mitgeteilt.

Für den deutschen Markt steht der Ifo-Index am Dienstag im Vordergrund, sagt Volkswirt Carsten Klude von MM Warburg. Hier erwarten die von Reuters befragten Experten einen Rückgang auf 105,0 von 105,8 Punkten. "Alles in allem dürfte von Seiten der Daten aber keine starke Belastung ausgehen", zieht Klude Fazit.

Und sollten von den Banken keine neuen Hiobsbotschaften zum Thema Subprime kommen, dürften sich die Marktbewegungen in Grenzen halten. Auf der Agenda stehen nur die Umsetzung der bereits Anfang September beschlossenen Veränderungen in den deutschen Aktienindizes, einige kleinere Börsengänge und die Quartalszahlen der krisengeschüttelten IKB . Vor einigen Wochen hatten Nachrichten von dieser Mittelstandsbank den deutschen Markt auf Talfahrt geschickt. Diesmal aber werde die IKB den Gesamtmarkt eher kalt lassen, meinen Experten.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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