Preis steigt kräftig Anleger flüchten in Gold

Die Talfahrt des Dollar und die Furcht der Anleger vor den Folgen der US-Hypothekenkrise treiben den Goldpreis kräftig an. Manche Händler halten 800 Dollar je Feinunze des Edelmetalls in Zukunft für möglich.

Frankfurt am Main - Gold gilt seit jeher als vergleichsweise sicherer Hafen für Sparer. In jüngster Zeit haben die Anleger das gelbe Edelmetall aber auch als eine besonders gewinnbringende Geldanlage kennen gelernt. Vor allem die Talfahrt des US-Dollar sorgt nach Einschätzung von Experten dafür, dass die Investoren immer mehr Gold  kaufen. Als der Euro im Handel mit der Weltleitwährung am Donnerstag die psychologisch wichtige Marke von 1,40 Dollar übersprang und neue Rekordhöhen erreichte, trieb es die Anleger scharenweise ins Gold.

Der Fall der 1,40 Dollar-Marke sorgte für eine "Bilderbuchrally" beim Goldpreis, sagte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Am Freitag kostete die Feinunze (etwa 31 Gramm) Gold  zeitweise 739 Dollar und war damit so teuer wie seit 28 Jahren nicht mehr. "Jahrelang dümpelte der Preis für das gelbe Edelmetall wenig beachtet vor sich hin und erhebt sich nun wie Phönix aus der Asche", sagte ein Experte. Schon sprechen die Fachleute von einer der lukrativsten Anlageformen.

Auch die US-Geldpolitik gilt als Preistreiber

Vor allem die Geldpolitik in den USA treibt die Anleger nach Einschätzung der Experten immer weiter in den sicheren Hafen Gold. An den Finanzmärkten ist den Anlegern eines klar: Die überraschend starke Zinssenkung in der größten Volkswirtschaft der Welt von 0,50 Prozentpunkten auf 4,75 Prozent ist nur der Auftakt für weitere Zinsschritte. Die Anleger fürchten, das billigere Geld wird die Inflation in den USA anheizen. Bei ihren Anlageentscheidungen setzen sie daher immer stärker auf das gelbe Edelmetall.

Neben der Geldpolitik der US-Notenbank ist es aber vor allem auch die allgemeine Entwicklung an den Rohstoffmärkten, die für Inflationsdruck sorgt. Besonders die jüngste Rekordjagd beim US-Ölpreis lässt in den kommenden Monaten weiter steigende Preise befürchten.

Zudem gab es zuletzt immer neue Preisrekorde bei Agrarrohstoffen. So war beispielsweise Weizen vor einigen Wochen so teuer wie noch nie. Der deutsche Einzelhandel reagierte mit massiven Preiserhöhungen bei einer ganzen Reihe von Lebensmitteln und sorgte damit für weitere Inflationsängste bei den Anlegern.

Anleger fürchten Folgen der Hypothekenkrise

Experte Weinberg sieht den Goldpreis schon auf dem Weg in Richtung der 750 Dollar-Marke und einzelne Händler halten sogar einen Sprung bis auf 800 Dollar für möglich. Ein weiterer Kurstreiber sei zweifellos auch die Hypothekenkrise in den USA und die Furcht der Anleger vor möglichen Folgen, hieß es. In Deutschland sind mit der Mittelstandsbank IKB und der sächsischen Landesbank zwei Finanzinstitute in eine gefährliche Schieflage geraten und mussten gestützt werden.

In Großbritannien ist zuletzt die Hypothekenbank Northern Rock in arge Schwierigkeiten geschlittert. Die britische Regierung sah sich sogar gezwungen, eine Garantie für alle Ersparnisse des Instituts abzugeben. Die langen Schlangen der Kunden vor den Filialen der Northern Rock gingen um die Welt und haben bei vielen Investoren ein mulmiges Gefühl ausgelöst. Sicher fühlte sich der eine oder andere Anleger nicht zuletzt hierdurch in der Entscheidung bestärkt, erst einmal lieber in Gold zu investieren.

von Jürgen Krämer, dpa-afx