US-Banken Unsicherheit aus Übersee

Die Berichtssaison der Banken in den USA beginnt turbulent. Bear Stearns schrieb im dritten Quartal wegen der Hypothekenkrise 60 Prozent weniger Gewinn als ein Jahr zuvor. Goldman Sachs dagegen legte überraschend gute Zahlen vor. Notenbankchef Ben Bernanke warnt aber vor weiteren Kreditausfällen.

New York - Die Hypothekenkrise hat der US-Investmentbank Bear Stearns  in den vergangenen drei Monaten einen Gewinneinbruch beschert. Das Institut verdiente nach Angaben vom Donnerstag netto mit 171,3 Millionen Dollar gut 60 Prozent weniger als vor einem Jahr. Damit liefen die Geschäfte deutlich schlechter als an der Wall Street erwartet: Pro Aktie belief sich der Gewinn auf 1,16 Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 1,78 Dollar gerechnet. Die Erträge fielen im dritten Geschäftsquartal um 38 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Die Bear-Stearns-Aktie reagierte vorbörslich mit einem Kursverlust von 3 Prozent auf die Geschäftszahlen.

Bear Stearns gilt als eine der Banken, die die Hypothekenkrise am schwersten getroffen hat. Im Sommer kollabierten kurz hintereinander zwei ihrer Hedge-Fonds, die sich mit US-Hypotheken verspekuliert hatten. Es waren die ersten großen Opfer der aufziehenden Krise. Gleichzeitig mit den Zahlen gab die Bank ein Aktienrückkaufprogramm über 2,5 Milliarden Dollar bekannt.

Goldman Sachs  dagegen hat in den vergangenen drei Monaten deutlich mehr verdient als erwartet. Im dritten Geschäftsquartal verbuchte das Institut nach Angaben vom Donnerstag einen Gewinn von 2,85 Milliarden Dollar oder 6,13 Dollar je Aktie. Analysten hatten lediglich mit 4,37 Dollar gerechnet. Auch die Einnahmen lagen mit 12,3 Milliarden Dollar deutlich über den Erwartungen. Dies war zum Vorjahr ein Anstieg von 63 Prozent. Die Aktien des Instituts legten vorbörslich rund 2 Prozent zu. Andere US-Bankenwerte zogen ebenfalls an.

Aktien der Deutschen Bank  reduzierten ihre Kursverluste zwar nach Bekanntgabe der Goldman-Zahlen, lagen aber weiterhin mit 2,62 Prozent im Minus bei 91,70 Euro. Insgesamt dominierten weiter die negativ aufgenommenen Aussagen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, hieß es. Die Marktteilnehmer seien sehr skeptisch und verunsichert. Aber auch Goldman Sachs seien nur recht gering nachgefragt, fügte ein Börsianer an. "Für manche stellt sich die Frage, ob vielleicht in der Bilanz nur etwas verlagert worden ist, um auf solch gute Zahlen zu kommen."

Sallie-Mae-Deal in Gefahr

Sallie-Mae-Deal in Gefahr

Die schon vereinbarte Übernahme des größten Kreditgebers für Studenten in den USA, Sallie Mae, für 25 Milliarden Dollar durch ein Konsortium steht einer Zeitung zufolge wieder in Frage. Die Käufergruppe aus den Investmentfonds J.C. Flowers & Co. und Friedman Fleischer & Lowe sowie den Banken J.P. Morgan Chase  und Bank of America  wolle einen niedrigeren Preis aushandeln, berichtete die "New York Times" am Donnerstag unter Berufung auf dem Konsortium nahestehende Personen.

Demnach berieten die Investoren am Dienstag, wie sie Sallie Mae dazu zwingen könnten, eine geringere Summe zu akzeptieren. Sie seien möglicherweise sogar bereit, den Übernahmevertrag zu kündigen und 900 Millionen Dollar Entschädigungszahlung zu leisten. Sallie Mae erklärte, es rechne dennoch mit dem erfolgreichen Abschluss der Übernahme unter den vereinbarten Bedingungen. Eine mögliche Gesetzesänderung bei der Studienfinanzierung sei kein Grund, der nach dem Fusionsvertrag einen Abbruch des Geschäfts zulasse. Der Übernahmevertrag war Mitte April bekanntgegeben worden.

In den vergangenen Monaten sind viele Finanzunternehmen wegen der internationalen Kreditkrise infolge der Probleme am US-Hypothekenmarkt in Schwierigkeiten geraten. Wegen der hohen Studiengebühren in den USA sind Kredite für Studenten ein riesiges Geschäft - allein im vergangenen Jahr beliefen sie sich auf 85 Milliarden Dollar. Sallie Mae war zuletzt negativ in die Schlagzeilen geraten, da der Firma vorgeworfen wurde, Universitäten und deren Mitarbeitern für die Vermittlung von Krediten Schmiergelder zu zahlen.

Der Konjunkturausblick wird nach Worten von US-Notenbankchef Ben Bernanke wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten immer unsicherer. In dem Reuters am Donnerstag vorliegenden Entwurf für Bernankes Rede vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses betonte der Fed-Präsident erneut, dass die Zentralbank die Situation genau beobachte. Die Fed werde handeln falls nötig, um Preisstabilität und Wachstum zu fördern. Bernanke zeigte sich zuversichtlich, dass das weltweite Finanzsystem in einer "relativ starken Position" sei, um die Turbulenzen zu überstehen.

Die jüngste Zinssenkung diene dem Zweck, negative konjunkturelle Effekte der gestiegenen Unsicherheit an den Finanzmärkten zu verhindern. Die Fed hatte am Dienstag den Leitzins deutlich um einen halben Prozentpunkt auf 4,75 Prozent gesenkt, um eine Ausweitung der Krise an den Märkten auf die Gesamtwirtschaft zu verhindern.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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