US-Notenbank Fed lässt Anleger jubeln

Die US-Notenbank hat ihren wichtigsten Leitzins erstmals seit vier Jahren gesenkt - um einen halben Punkt auf 4,75 Prozent. Die Währungshüter um Fed-Chef Ben Bernanke wollen mit diesem Schritt die Immobilienkrise abfedern. Die Börse jubelt - der Dow Jones macht 250 Punkte gut.

Washington - Die US-Notenbank Fed hat als Reaktion auf die Krise am US-Hypothekenmarkt erstmals seit vier Jahren den wichtigsten Leitzins gesenkt. Die Währunghsüter um Präsident Ben Bernanke reduzierten den für die Refinanzierung der Banken zentralen Zielsatz für Tagesgeld um 50 Basispunkte auf 4,75 Prozent.

Dies war deutlicher als von vielen Experten erwartet und zeigt, dass die Fed mit allen Mitteln einen drastischen Abschwung der US-Wirtschaft verhindern will. Die US-Aktienmärkte reagierten mit Kursgewinnen, der Euro kletterte zum Dollar auf ein neues Rekordhoch.

Die Zinssenkung solle verhindern, dass die Immobilienkrise die Gesamtwirtschaft in Mitleidenschaft ziehe, erläuterten die Zentralbanker. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten hätten die Unsicherheit über den wirtschaftlichen Ausblick erhöht. Die Fed will nun die Auswirkungen der Hypothekenkrise auch auf den Bankensektor beobachten und falls nötig weitere Schritte ergreifen.

Die Verschärfung der Kreditkonditionen könne die Korrektur am Häusermarkt verstärken und das Wachstum bremsen, hieß es in der Erklärung der Fed. Zuletzt hatten sich bereits in den USA die Anzeichen gemehrt, dass die Krise am Immobilienmarkt auch die Gesamtwirtschaft in Mitleidenschaft zieht. So waren im August völlig unerwartet die Zahl der Arbeitsplätze in den USA gesunken, was sogar Rezessionsängste entfacht hatte.

Deshalb legt die Fed nun ihr Hauptaugenmerk darauf, die Wirtschaft am Laufen zu halten - anstatt sich wie bislang vor allem auf die Inflationsbekämpfung zu konzentrieren. Der Zielsatz für Tagesgeld steuert die Höhe der Zinsen für Kredite zwischen den Banken und ist damit der zentrale Leitzins der USA.

Den Diskontsatz, zu dem sich Banken direkt bei der Fed Geld leihen können, senkte die Notenbank ebenfalls um 50 Basispunkte auf 5,25 Prozent. Die Fed hatte den Diskontsatz bereits im August inmitten der Krise völlig unerwartet zwischen zwei regulären Sitzungen um einen halben Prozentpunkt reduziert.

Dow Jones und Nasdaq legen kräftig zu

Dow Jones und Nasdaq legen kräftig zu

Die Fed und auch andere Notenbanken weltweit hatten wegen der Turbulenzen in den vergangenen Wochen bereits mehrfach Milliardensummen in den Geldmarkt gepumpt. Sie reagierten damit auf die Vertrauenskrise im Bankensektor: Die Institute liehen sich zuletzt auch untereinander kaum mehr Geld.

Auslöser war die Krise am US-Immobilienmarkt im Zuge steigender Zinsen und sinkender Häuserpreise. Von der Fed-Zinssenkung erhoffen sich daher viele Anleger auch hier eine Entspannung.

Der Dow Jones  gewann nach der Zinssenkung mehr als 250 Punkte und lag gegen 21 Uhr Mitteleuropäischer Zeit bei 13.660 Zählern mit 1,9 Prozent im Plus. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  kletterte sogar um 2,2 Prozent auf 2639 Punkte.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa-afx, reuters

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