US-Konjunktur Zuversicht trotz schlechter Daten

Die heute in den USA veröffentlichten Konjunkturdaten fielen durchweg schlechter aus, als erwartet. Während sich der Druck auf die Kurse am Aktienmarkt dadurch erhöhte, konnte der Euro profitieren. Und die US-Verbraucher blicken trotz allem überraschend optimistisch in die Zukunft.

Washington - Sowohl die viel beachteten US-Einzelhandelsumsätze als auch die Entwicklung der Industrieproduktion sowie das Leistungsbilanzdefizit enttäuschten.

Die Umsätze der Einzelhändler sind im August etwas geringer gewachsen als von Analysten erwartet. Das Plus habe 0,3 Prozent betragen, teilte das Handelsministerium am Freitag mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg um 0,4 Prozent gerechnet, von Volkswirten war sogar ein Zuwachs von 0,6 Prozent erwartet worden.

Ohne Autos sank der Umsatz um 0,4 Prozent, was der stärkste Rückgang seit September 2006 war. Hier hatten Analysten mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Die Umsätze des US-Einzelhandels gelten als wichtiger Indikator für die US-Wirtschaft. Sie machen etwa ein Drittel der gesamten Verbraucherausgaben aus.

Nach Einschätzung der Commerzbank  bestätigten die US-Einzelhandelsumsätze das Bild eines nicht mehr so dynamisch steigenden Konsums. Die Umsatzentwicklung im August sei auf den zweiten Blick allerdings "ok", hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Studie des Bankhauses.

Auch die Industrieproduktion in den USA ist im August etwas schwächer als erwartet gestiegen. Die Produktion sei im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent geklettert, teilte die US-Notenbank mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg um 0,3 Prozent gerechnet.

Allerdings wurde zugleich der Vormonatswert nach oben revidiert. Demnach ist die Produktion im Juli um 0,5 Prozent gestiegen, und nicht wie zuvor mitgeteilt um 0,3 Prozent.

Geringfügig enttäuscht wurden die Erwartungen auch beim US-amerikanischen Leistungsbilanzdefizit. Der Fehlbetrag habe im zweiten Quartal 2007 190,8 Milliarden US-Dollar betragen, teilte das US-Handelsministerium am Freitag in Washington mit.

Das Defizit des ersten Quartals wurde von 192,6 Milliarden auf 197,1 Milliarden Dollar revidiert. Experten hatten für das zweite Quartal im Durchschnitt ein Defizit von 190,5 Milliarden Dollar erwartet.

Überraschung beim Verbrauchervertrauen

Überraschung beim Verbrauchervertrauen

Die Einfuhrpreise in den USA schließlich sind im August überraschend gesunken. Laut US-Handelsministerium gingen die Preise im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Prozent zurück. Das war der erste Rückgang seit Januar. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg um 0,6 Prozent gerechnet. Ohne Berücksichtigung der Ölpreise sanken die Importpreise zum Vormonat um 0,1 Prozent

Der Euro  erhielt nach Bekanntgabe der US-Konjunkturdaten Rückenwind. Der Kurs stieg auf 1,3888 US-Dollar. Zuvor hatte er bei 1,3877 US-Dollar gelegen.

Die Kurse am Aktienmarkt, die sich ohnehin bereits unter Druck befunden hatten, verloren dagegen zusätzlich an Boden. Der Dax  verlor bis zum Nachmittag 1,05 Prozent auf 7456,79 Zähler. Der MDax  gab 0,83 Prozent auf 9981,08 Punkte ab. Der Technologiewerte-Index TecDax  verlor 0,91 Prozent auf 899,81 Zähler.

Unterdessen wurden auch positiven Stimmen laut. "Schlechte Daten könnten derzeit auf den zweiten Blick positiv interpretiert werden - weil sie eine Zinssenkung wahrscheinlicher machen", sagte beispielsweise Aktienhändler Stefan Söllner von der Postbank .

Zudem ist das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes im September offenbar gestiegen. Der entsprechende Index der Agentur Reuters  und der Universität Michigan legte nach vorläufigen Berechnungen von Freitag auf 83,8 Punkte von 83,4 Zählern im Vormonat zu. Er lag damit über den Erwartungen von Volkswirten. Sie hatten damit gerechnet, dass der Indexwert wie im August 83,4 Punkte betragen würde.

Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters