EZB "Erhöhte Unsicherheit"

Die Europäische Zentralbank verteidigt ihren Verzicht auf die für September angekündigte Erhöhung des Leitzinses. Vor weiteren geldpolitischen Schritten will die EZB weitere Informationen abwarten, heißt es in ihrem Monatsbericht. Steigende Rohstoffpreise sorgten für ein Inflationsrisiko.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) will weitere Informationen und Daten abwarten, bevor sie weitere Schlüsse für künftige geldpolitische Schritte zieht. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die Neueinschätzung von Risiken in den vergangenen Wochen hätten zu einer erhöhten Unsicherheit geführt, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht der EZB für September. Die EZB werde alle Entwicklungen "sehr genau" beobachten. Die künftige Entwicklung auf den Finanzmärkten werde mit großer Aufmerksamkeit beobachtet.

Zugleich unterstreicht die EZB, dass sie im Euroraum auf mittlere Frist weiterhin Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität sieht. Die Geldpolitik sei weiterhin "auf der akkommodierenden Seite". Das Geld- und das Kreditwachstum seien weiterhin kräftig. Daher bleibe ein entschlossenes und rechtzeitiges Handeln zur Gewährleistung von Preisstabilität auf mittlere Sicht geboten.

Damit wiederholte die Notenbank Äußerungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der letzten Zinssitzung des EZB-Rats. Die EZB hatte vor einer Woche ihre ursprünglich signalisierte Zinserhöhung wegen der Finanzmarktturbulenzen nicht vorgenommen und den Leitzins der Eurozone unverändert bei 4,00 Prozent belassen.

Risiken für die Preisstabilität sieht die Notenbank in steigenden Abgaben und steigenden Preisen für Öl und Agrarprodukte. Auch hohe Lohnabschlüsse könnten auf mittlere Sicht eine Gefahr für die Preisstabilität darstellen. Es sei wahrscheinlich,dass die Inflation im weiteren Jahresverlauf über die 2-Prozent-Marke steigen werde. Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Rate von knapp unter 2 Prozent als gewährleistet.

Für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone zeigt sich die Notenbank trotz der Finanzmarktturbulenzen weiterhin optimistisch. Jüngste Daten deuteten auf eine robuste fundamentale Situation im Währungsraum und ein anhaltendes Wachstum hin. Die mittelfristigen Wachstumsaussichten seien nach wie vor günstig. Das globale Wirtschaftswachstum sollte weiter robust bleiben. Ein möglicher Abschwung in den USA sollte durch ein starkes Wachstum in den Schwellenländern ausgeglichen werden.

Wachstumsrisiken sieht die EZB in möglichen Auswirkungen der jüngsten Finanzmarktturbulenzen, globalen Ungleichgewichten und einem zunehmenden Protektionismus. Auch weiter steigende Rohstoffpreise stellten eine Gefahr für das Wachstum dar.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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