Investoren Nach der Krise ist vor der Krise

Den durch Leverage-Effekte getriebenen Geschäften der Banken und Investoren ist im Zuge der Finanzkrise erstmal die Luft ausgegangen. Doch natürlich gibt es immer noch Liquidität, die angelegt sein will. Was sind die Asset-Klassen der Zukunft, und wo lauern neue Risiken?
Von Arne Stuhr

Frankfurt am Main - Vielleicht liegt es daran, dass der US-Investor Cerberus seinen Deal mit DaimlerChrysler  - wenn auch unter einigen Schmerzen - noch kurz vor dem endgültigen Platzen der Subprime-Blase durchgezogen hat. Auf jeden Fall wirkt Jörg Goschin, Managing Director bei Cerberus Deutschland, auf einer Podiumsdiskussion im Rahmen einer Bankenkonferenz des "Handelsblatts" am Mittwoch sehr entspannt. Nur auf die Bezeichnung Heuschrecke reagiert er etwas angefasst.

Goschin ist durchaus realistisch, was die Situation bei mit Fremdkapital finanzierten Übernahmen von Unternehmen betrifft. Es werde in nächster Zukunft weltweit nur noch sehr wenige große, sprich Milliardentransaktionen geben. Cerberus könnte dennoch wieder dabei sein. "Wir verfügen über Liquidität und Kapital", so Goschin selbstbewusst.

Auch die aktuellen Entwicklungen auf dem deutschen Bankenmarkt - Stichwort WestLB und IKB  - seien für sein Unternehmen "sehr spannend". Schließlich seien Banken, wie die Übernahme der österreichischen Bawag zeige, Anlageschwerpunkte von Cerberus. Für konkretere Aussagen sei es aber zu früh Ein Pferdewechsel stehe aber auf jeden Fall trotz der jüngsten Verwerfungen nicht an.

Wenn man Michael Bonacker glaubt, wird das auch nicht nötig sein. "Am Endes des Tages ist es eine Preisfrage", glaubt der Leiter des Investmentbankings bei Lehman Brothers  in Deutschland, Österreich und der Schweiz an ein baldiges Einpendeln des Niveaus für Leverage-Finance-Konditionen und spricht von "Anpassungsschwierigkeiten". Derzeit seien halt die "Real-Money-Investoren" wieder gefragt.

Gerade für die Hedgefonds-Branche sieht er in der aktuellen Preiskorrektur auch Chancen. "Die Rendite eines Hedgefonds muss durch die Auswahl der Assets, nicht durch Leverage-Effekte getrieben werden", empfiehlt er den Hedgefonds eine Rückkehr zu ihren Kernkompetenzen. "Die Spreu trennt sich vom Weizen durch das Management der Assets", pflichtet ihm Cerberus-Mann Goschin bei.

Wo entstehen neue Blasen?

Wo entstehen neue Blasen?

Als alternative Anlageklasse setzen viele Investoren derzeit ihre Hoffnung auf die Reits, also börsennotierte Immobilienportfolios, die es nun auch bald in Deutschland geben wird.

"Vielleicht wird es die ersten noch in diesem Jahr geben", wagt Bernd Knobloch eine Prognose. "Das internationale Interesse an deutschen Immobilien ist ungebrochen." Für sein eigenes Haus will sich der Vorstandsvorsitzende der Eurohypo  in Sachen Reits aber noch nicht festlegen. Es könne auch Anfang 2008 werden. "Wir müssen nicht die Schnellsten sein", so Knobloch weiter.

Die von Diskussionsleiter Wolfgang Gerke geäußerte Kritik an der Ausklammerung von Wohnimmobilien ("Die befürchtete Spekulation ist ein Argument von vorgestern") teilt der Eurohypo-Chef zwar, macht für das lange Warten auf den ersten deutschen Reit aber nicht diese Regelung, sondern das generell aufwändige Genehmigungsverfahren verantwortlich.

Zusätzlich sei es in der vergangenen Zeit für viele Immobilienunternehmen lukrativer gewesen, ihre Portfolios lieber direkt an die Investoren zu verkaufen, als den Weg über die Börse zu nehmen, ergänzt Investmentbanker Bonacker, der aber bei aller Wertschätzung für Immobilien und Rohstoffe die Aktie aus fundamentaler Sicht nach wie vor für die attraktivste Asset-Klasse hält.

Und wo liegen die künftigen Risiken, wo entstehen neue Blasen? Cerberus-Direktor Goschin sieht neben den heiß gelaufenen Immobilienmärkten in Spanien und Großbritannien vor allem in Asien Gefahren. Er schließt nämlich nicht aus, dass in den USA aus der Subprime- auch eine Konsumkrise wird, die dann auf China und Co. durchschlägt.

Lehman-Brothers-Mann Bonacker beunruhigt eher das Ignorieren der Inflation: "Viele kennen das Thema doch nur noch vom Hörensagen. Seit 1982 hatten wir mit kurzen Unterbrechungen doch nur sinkende Zinsen. Ich glaube aber nicht, dass die Inflation weg ist."