Commerzbank "Wir zahlen keine Mondpreise"

Hatten Deutsche-Bank-Primus Josef Ackermann und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück am Dienstag noch das Fusionsfieber im deutschen Finanzsektor angeheizt, übte sich Klaus-Peter Müller am Mittwoch in präsidialer Zurückhaltung. Der Commerzbank-Lenker unterstütze zwar die "Gedankenspiele", aber nicht um jeden Preis.
Von Arne Stuhr

Frankfurt am Main - Klaus-Peter Müller liebt den präsidialen Auftritt. Und so wollte er den ersten Teil seiner Rede auf der Bankentagung des "Handelsblatts" am Mittwoch in Frankfurt am Main auch ganz klar als Aussage des Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken, der Müller eben auch ist, verstanden wissen.

"Die Erfahrungen der letzten Wochen waren schmerzhaft, aber lehrreich", sagte Müller. Aber es gebe nun einmal "kein Leben ohne Risiko". Wichtig sei vor allem gewesen, dass der Markt gesehen habe, dass Teilnehmer, denen das Geschäftsmodell abhanden gekommen ist, damit scheitern, in Geschäftsbereiche vorzustoßen, von denen sie nichts verstehen.

Ähnlich wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht zwar auch Müller nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen eine gewisse Beruhigung der Märkte, aber der "Rückgang der Wasserstände" bedeute "noch nicht das Ende des Hochwassers".

Die Subprime-Wasserstände bei der Commerzbank , die im Gegensatz zur Deutschen Bank  schon vor einigen Wochen ihr Engagement beziffert hatte, sind unterdessen unverändert. "Wir haben die Rückstellungen nicht erhöht", sagte Müller. Damit geht sein Haus, das insgesamt mit 1,2 Milliarden Euro im Subprime-Segment investiert ist, nach wie vor von einer Wertberichtigung ihrer US-Kredite in Höhe von rund 80 Millionen Euro aus.

"Die Risiken sind überschaubar"

"Die Risiken sind überschaubar und werden das Ergebnis der Bank nicht erkennbar beeinflussen", sagte Müller. Er geht davon aus, nach Steuern für das Gesamtjahr deutlich mehr als 12 Prozent Eigenkapitalrendite zu erreichen. Die Ergebnisse des ersten Halbjahres - 22 Prozent vor und 16 Prozent nach Steuern Rendite auf das Eigenkapital - könnten aber nicht einfach fortgeschrieben werden.

Beim Thema Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft drohte Müller kurz seine präsidiale Zurückhaltung abzulegen. Er wolle ja nicht nachkarten, aber bei der Landesbank Berlin (LBB) sei ein "politischer Preis" gezahlt worden. "Wir zahlen keine Mondpreise", wurde Müller deutlich. Die Commerzbank  habe den Wert der LBB auf 4 bis 4,5 Milliarden Euro taxiert. Die Lücke zum Angebot der Sparkassen sei aber so groß gewesen, dass der Berliner Senat sich nicht wirklich zwischen den Angeboten entscheiden musste. Auch wenn man nicht gern verliere, sei es richtig gewesen, sich nicht aus Prestigegründen unnötige Risiken in die Bücher zu holen.

Auch sonst wollte Müller der Flirt-Rhetorik Ackermanns vom Vortag nicht folgen. Sieht er in den Sparkassen doch viel stärker als der Schweizer einen Konkurrenten im Kampf um den deutschen Mittelstand, den die Commerzbank als eine ihrer wichtigsten Zielgruppen ausgemacht hat.

Das soll natürlich nicht heißen, dass Müller nicht ähnlich wie bei der Schmidtbank oder der Eurohypo  auch künftig bereit ist, Kaufgelegenheiten zu ergreifen. Die von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Dienstag angedeuteten Rückzugspläne des Staates bei IKB und Postbank, bezeichnete Müller als "Gedankenspiele" die er "nachhaltig unterstütze". "Aber wir kaufen nicht alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist."