Banken "Treiben Sie die Kunden in die Kreditfalle?"

Die deutschen Privatkunden stellen den hiesigen Banken und Sparkassen regelmäßig schlechte Zeugnisse aus. Die Gescholtenen machen dafür selten eigene Versäumnisse bei Beratung und Service verantwortlich, sondern schieben den schwarzen Peter gern an andere weiter. Nun gibt es immerhin ein wenig Hoffnung auf Besserung.
Von Arne Stuhr

Frankfurt am Main - "Es ist ein Unding, was der Gesetzgeber uns da ins Nest gelegt hat." Wenn Jürgen Hilse auf Riester- und Rürup-Rente angesprochen wird, steigt beim Chef der Kreissparkasse Göppingen der Wutpegel. So auch bei einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend im Rahmen einer Bankenkonferenz des "Handelsblatts" in Frankfurt am Main. Solche Produkte liefen dem Bemühen nach mehr Verständlichkeit des Angebots zuwider, beschwert sich Hilse, der auch Bundesobmann der Sparkassenvorstände ist.

"Riester und Rürup können es ja selbst nicht erklären", pflichtet Carsten Maschmeyer ihm bei. Der Chef des AWD  fordert daher dem Beispiel Österreichs folgend eine Zusammenlegung der beiden Altersvorsorgeprodukte, um die Verwirrung bei den Kunden zu beenden.

Viel mehr fällt den Podiumsteilnehmern zum Thema Kundenzufriedenheit nicht ein, als die Politik zu kritisieren.

Ein ähnliches Bild, als Diskussionsleiter Wolfgang Gerke von den Finanzexperten wissen möchte, ob sie sich der Verantwortung bewusst wären, wenn sie Kunden mit Krediten versorgen würden. "Treiben Sie die Kunden in die Kreditfalle?", provoziert der Bankenprofessor.

"Man soll den Kunden nicht bevormunden", lässt sich Herbert Walter allerdings nicht aus der Reserve locken. Und statt wirklich auf Gerkes Frage einzugehen, nutzt der Chef der Dresdner Bank die Gelegenheit, den wie das Ungeheuer von Loch Ness immer wieder auftauchenden Vorschlag von bepreister Beratung ins Feld zu führen. Was das nun mit der gesellschaftlichen Verantwortung der Finanzindustrie zu tun hat, bleibt Walters Geheimnis.

Finanzerziehung statt Erdkunde

Finanzerziehung statt Erdkunde

Auch Finanzberater Maschmeyer hält seine Zunft in Moralfragen nicht für zuständig. Durch Warnungen vor Risiken aller Art, wie es zum Beispiel in den USA zu beobachten sei, werde die Welt auch nicht besser. Stattdessen fordert er, dass in den Schulen "Financial Education" betrieben werde, statt zum Beispiel die Namen von Flüssen zu lernen.

Einen Hoffnungsschimmer, dass Deutschlands Finanzbranche den bisherigen Lippenbekenntnissen in Sachen Service auch einmal Taten folgen lassen, gibt es dann aber doch noch.

So stellt Wolfgang Klein, Chef der Postbank , in Aussicht, dass sich die in der Cashgroup zusammengeschlossenen Banken künftig gemeinsame Geldautomaten aufstellen könnten, um die weißen Flecken bei der Bargeldversorgung zu eliminieren.

Doch damit nicht genug. Dresdner-Chef Walter und Sparkassen-Mann Hilse halten sogar die Säulen übergreifende Gespräche für möglich, um den "seltsamen Automatenwettbewerb" (Hilse) zu beenden, und damit die kostenlose Versorgung der Deutschen mit Bargeld an allen Geldautomaten egal von welcher Bank oder Sparkasse zu verwirklichen. Ein guter Vorstoß, und ganz ohne Schwarze-Peter-Spiel.