Josef Ackermann "Kein Anlass zur Panik"

Erstmals hat Josef Ackermann exakt beziffert, mit welchen Summen die Deutsche Bank in Produkte investiert ist, die unter der Kreditkrise leiden. Die aktuellen Verwerfungen belasten auch die Zahlen seines Hauses. Als eine Gewinnwarnung wollte er diese Äußerungen allerdings nicht verstanden wissen.
Von Arne Stuhr

Frankfurt am Main - Nun ist es also offiziell. Auf 32 Milliarden Euro beläuft sich der Commercial-Paper-Bestand in von der Deutschen Bank  gesponserten Zweckgesellschaften (Conduits). Bei der Finanzierung von Übernahmen durch Private-Equity-Gesellschaften (Leverage Finance) hat der deutsche Branchenprimus Kreditzusagen in Höhe von 29 Milliarden Euro (Weltmarkt: 300 Milliarden Euro) gegeben. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte sich am Dienstagvormittag in seiner Rede auf einem Bankenkongress in Frankfurt das Beste zum Schluss aufgehoben.

Da diese Engagements aber entweder in der Bilanz der Deutschen Bank konsolidiert oder ausreichend besichert seien, so Ackermann weiter, habe sein Haus Risiken im Zusammenhang mit der Subprime-Hypothekenkrise unter Kontrolle.

Allerdings räumte Ackermann ein, dass die Bereiche Sales & Trading sowie Corporate Finance durch die aktuellen Verwerfungen dennoch beeinträchtigt worden seien. Die aktuellen Preiskorrekturen spiegelten sich in der zu Marktpreisen vorgenommenen Bewertung der Deutsche-Bank-Positionen im Handelsbuch sowie im Leveraged Loan Book wider. Ihre künftige Bewertung sei von der weiteren Entwicklung der Märkte abhängig. Als eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal wollte Ackermann diese Aussagen ausdrücklich aber nicht verstanden wissen.

"Jederzeit ausreichend Finanzierungsmöglichkeiten"

Ganz im Gegenteil: Man sei sehr zufrieden mit den Geschäften in den Monaten Juli und August. Auch habe es keine Liquiditätsengpässe bei der Deutschen Bank gegeben. "Wir hatten jederzeit ausreichend Finanzierungsmöglichkeiten", sagte Ackermann. Die Inanspruchnahme von durch die US-Notenbank bereitgestellten Geldern sei demnach kein Zeichen der Schwäche gewesen, sondern sollte vielmehr ein gutes Beispiel für andere Marktteilnehmer sein, die angebotenen Hilfen auch anzunehmen. Allerdings dürfte es auch nach Ackermanns Einschätzung "einige Quartale dauern", bis sich der Markt wieder beruhigt haben wird.

Zuvor hatte Ackermann allerdings herausgestellt, dass er nicht nur Risiken, sondern auch Chancen in der aktuellen Krise sieht. Die jetzt vorgenommene Korrektur der "falschen Bepreisung" von Risiken sei eine "Rückkehr zur Normalität". Das der Markt jetzt von sogenannten Ninja-Krediten (no-income-no-job-assets) bereinigt werde, begrüßte der Schweizer.

Ausmaße der Lateinamerika-Krise

Ausmaße der Lateinamerika-Krise

Auch wiederholte Ackermann seine Kritik an Marktteilnehmern mit fehlendem Verständnis für die nun ins Visier geratenen Produkte. Die auf die Deutsche Bank gerichteten Vorwürfe konterte er damit, dass ihn noch kein Kunde angerufen habe, um einen Gewinn an die Deutsche Bank zurück zu überweisen, weil er das Produkt nicht verstanden habe.

Auch Forderungen nach einer strengeren Bankenaufsicht wies Ackermann zurück. Man solle hier nicht "das Kinde mit dem Bade ausschütten". Schließlich hätte die Streuung des Risikos durch die nun kritisierten Produkte verhindert, dass die aktuellen Probleme die Ausmaße der Lateinamerika-Krise angenommen hätten. Für Ackermann ein durchaus realistisches Szenario, schließlich habe auch die Deutsche Bank überlegt, den eigenen ABS-Fonds zu schließen. Er selbst habe dies aber abgelehnt.

Kein Buhmann der IKB

Auch sonst sieht Ackermann sich als verantwortungsvoller Marktteilnehmer, der sich nach "Jahrzehnten im Banking" zwar nicht immer, aber doch überwiegend an die Grundregeln des Geschäfts ("Liquidität, Rendite, Risiko") halte.

Hätte die Deutsche Bank nicht bei der IKB Alarm geschlagen, wäre es wenige Tage später zu "größten Verwerfungen" gekommen, sieht sich Ackermann auch bei der Schieflage der Düsseldorfer Mittelstandsbank nicht als Buhmann.

Insgesamt erwartet Ackermann keine nachhaltigen Auswirkungen der Kreditkrise auf die deutsche Volkswirtschaft. "Deutschland bleibt auf Wachstumskurs, es besteht kein Anlass zur Panik."

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