Windkraft Deutschland von Skandinaviern abgehängt

Bislang ist Deutschland nur an Land Vorreiter in Sachen Windenergie. Trotz Förderung und neuer Gesetzgebung will die deutsche Windenergiebranche den Sprung ins Meer nicht wagen. Hier sind Länder wie Dänemark oder Schweden schon einen Schritt weiter.
Von Susanne Schulz

Stockholm - Die Pläne der Bundesregierung für den Ausbau der Offshore-Windenergie sind sehr ehrgeizig: Bis zu 21.000 Megawatt installierte Leistung sollen vor der Nord- und Ostseeküste bis 2030 möglich sein. Das entspricht in etwa der Leistung von 21 durchschnittlichen Atomkraftwerken.

Skepsis ist allerdings angebracht. Bis auf wenige Testtürme gibt es bislang noch keine deutsche Offshore-Windkraftanlage. Ein ernüchterndes Ergebnis in Anbetracht der Tatsache, dass Deutschland eigentlich Vorreiter in Sachen Windenergie sein will. Als Begründung gilt die "erschwerte meeresgeologische Situation" vor deutschen Küsten. Das Wasser sei dort tiefer als sonst, so ein Sprecher des Bundesministeriums für Umwelt.

Auf hoher See haben Länder wie Dänemark und Schweden, aber auch die Niederlande und Großbritannien den deutschen Vorsprung bereits aufgeholt und überholt. Vor skandinavischen Küsten stehen bereits große Windparks - weitere sind im Entstehen.

"Der Markt wächst rapide"

Attraktiv an den Windmühlenparks auf See sind der zuverlässiger und stärker wehende Wind sowie das bessere Verhältnis von installierter Leistung und Stromausbeute im Vergleich zu Landanlagen. In der deutschen Windkraftbranche wird allerdings noch über die Rentabilität und die technische Reife solcher Windräder nachgedacht.

"Das Problem sind die hohen Kosten, das technische Risiko sowie der Genehmigungsmarathon für Anlage und Kabel", erläutert Matthias Hochstätter, Pressesprecher des Bundesverbands Windenergie gegenüber manager-magazin.de. Die Vergütung sei immer noch zu niedrig. "Wenn man Technologie nicht fördert, wird sie woanders entwickelt", resümiert er.

Führend auf dem Offshore-Markt sind daher nicht die deutschen Stars der Windbranche, wie Enercon, Repower  oder Nordex , sondern der dänische Anlagenbauer Vestas oder das spanische Unternehmen Gamesa . "Die Nachfrage ist schon jetzt groß, und der Markt wächst rapide", fasst Anders Dahl, Chef von Vattenfall Vindkraft, die derzeitige Lage in Schweden zusammen.

Ausgelastet mit Onshore-Projekten

Turbinenhersteller als Engpass

Ein großer Absatzmarkt also für deutsche Windradbauer. Der schwedische Energiekonzern stellt gerade seinen Offshore-Windpark Lillgrund im Öresund mit 48 Türmen und einer Leistung von 0,33 Terrawatt-Stunden (TWh) fertig. Damit ist die Anlage die derzeit drittgrößte weltweit. Größere sind geplant: Trolleboda bei Öland mit einer Jahresleistung von 0,5 TWh, Taggen vor der südschwedischen Ostseeküste bei Ahus mit einer TWh Strom pro Jahr und Kriegers Flak vor der deutschen Ostseeküste mit 128 Windrädern und einer Leistung von 2,1 TWh im Jahr.

Dahls Problem ist allerdings, dass für ihn bei Offshore-Anlagen derzeit nur zwei kommerzielle Turbinenhersteller infrage kommen: die von Siemens  Wind Power aufgekaufte dänische Bonus Energy A/S und die ebenfalls dänische Firma Vestas . "Ich bin mir nicht sicher, ob die Hersteller genügend Energie in die Weiterentwicklung der Technologie stecken, wo sie doch beim derzeitigen Boom auf dem Weltmarkt alles verkaufen können", fährt der Windenergie-Chef gegenüber manager-magazin.de fort.

Dass Dahl mit seiner Vermutung richtig liegt, zeigt sich am Beispiel Enercon. Der deutsche Konzern stellt Onshore-Windturbinen in großem Stil her. "In Schweden ist die Nachfrage größer als das Angebot und staatliche Zuschüsse sind bis 2030 zugesichert", erklärt Claes Jeppsson, Enercon-Salesmanager für Skandinavien. Das Unternehmen ist also selbst im offshore-freundlichen Land Schweden voll mit der Onshore-Produktion ausgelastet.

Ausgelastet mit Onshore-Projekten

Bei Anlagen auf hoher See sieht Jeppsson vor allem das Problem höherer Risikoprämien und höherer Kosten für den Anschluss ans Stromnetz. Enercon habe sich daher bereits vor zehn Jahren entschieden, erst einmal nicht ins Offshore-Geschäft einzusteigen. Aus Sicht des Anlagenbetreibers ist ein Offshore-Windpark allerdings auch noch nicht so recht rentabel.

Vattenfall-Manager Dahl räumt ein: "Momentan ist die Ertragssituation sehr schwierig. Als großer Konzern können wir jedoch ein paar Jahre niedrige Rendite bei einem Offshore-Kraftwerk aushalten." Das Unternehmen setzt auch eher aus strategischen Gründen auf den Ausbau erneuerbarer Energien im Portfolio. Der Grund: "Die Ausbaukapazitäten zur Deckung des wachsenden Strombedarfs sind bei Wasser- und Kernkraft begrenzt. Deshalb investieren wir bereits jetzt in Windkraft", sagt Dahl.

Insgesamt 40 Milliarden schwedische Kronen (rund 4,26 Milliarden Euro) will der wegen der Pannen in deutschen Kernkraftwerken stark kritisierte Energiekonzern Vattenfall  in den kommenden zehn Jahren in erneuerbare Energiegewinnung in den nordischen Ländern investieren. Bleibt nur zu hoffen, dass die Bundesregierung mit ihren optimistischen Erwartungen recht behält. 2008 soll die erste Anlage mit 60 Megawatt installierter Leistung in deutschen Gewässern in Betrieb gehen.

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