Arcandor Dickes Plus wegen Tourismus-Zukaufs

Arcandor-Chef Thomas Middelhoff konnte mit einem Gewinn- und Umsatzplus im zweiten Quartal glänzen. Die guten Zahlen verdankte die frühere KarstadtQuelle AG einer Änderung in der Bilanz. Erstmals wurde die Touristiktochter Thomas Cook voll aufgenommen. Die Börse reagierte mit einem satten Kursplus.

Essen - Der Touristik- und Handelskonzern Arcandor  profitiert vom Zukauf im Tourismusgeschäft. Die erstmalige Vollkonsolidierung der Thomas Cook Group habe im zweiten Quartal zu deutlichen Steigerungen bei Umsatz und Ergebnis geführt, teilte die frühere KarstadtQuelle AG am Freitag in Essen mit.

Die Erlöse legten demnach um 73 Prozent auf 4,37 Milliarden Euro zu. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen der operativen Bereiche habe 27,5 Millionen Euro betragen nach einem Minus von 69,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Der ehemalige KarstadtQuelle-Konzern hatte die Touristiktochter Thomas Cook im zweiten Quartal erstmals voll in die Bilanzen aufgenommen. Unter dem Strich und nach Abzug des Gewinnanteils von Minderheiten verbuchte der Konzern im Halbjahr aber einen Verlust von 280,5 Millionen Euro, wie ein Sprecher sagte. Vor Jahresfrist habe sich der Verlust - bereinigt um die Immobiliengeschäfte - noch auf 311,1 Millionen Euro belaufen.

Vorstandsvorsitzender Thomas Middelhoff sagte, die Zahlen zeigten, dass der Konzernumbau erfolgreich vollzogen werde. Alle Unternehmensbereiche - die Tourismussparte Thomas Cook, die Warenhaussparte Karstadt und die Versandsparte Primondo - entwickelten sich besser als der Markt und gewännen Marktanteile hinzu.

Aktienkurs schießt nach oben

Aktienkurs schießt nach oben

Primondo habe im zweiten Quartal ein Umsatzplus ausgewiesen - aber trotzdem noch rote Zahlen geschrieben. Der Verlust auf Ebitda-Basis sei allerdings auf 17,8 (minus 33,6) Millionen Euro gedrückt worden. Die Warenhaussparte Karstadt schrieb einen Ebitda-Verlust von 8,4 (minus 8,9) Millionen Euro. Arcandor will weiter seine verbliebenen Immobilien-Anteile verkaufen und dann einen Netto-Finanzüberschuss ausweisen. Es hätten sich bereits zahlreiche Interessenten für die Immobilien gemeldet. Verbindliche Offerten sollten zum Ende des dritten Quartals eingehen.

Um das zum Verkauf stehende Versandhaus Neckermann buhlten in der zweiten Bieterrunde fünf Finanzinvestoren, hieß es weiter. Zum Ende des dritten Quartals solle entschieden werden, ob Neckermann.de an einen der Finanzinvestoren gehe oder an die Börse gebracht werde. Das Unternehmen bekräftigte das Ziel, den Konzernumsatz im Kalenderjahr 2007 signifikant zu steigern und das bereinigte Ergebnis von Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) des Vorjahres in allen drei operativen Geschäftsbereichen zu übertreffen.

Für das Geschäftsjahr 2008/09 erwartet der Konzern, dem Arcandor-Chef Thomas Middelhoff einen radikalen Umbau verordnet hat, weiter ein Ebitda von mehr als 1,3 Milliarden Euro und einen Umsatz von mehr als 23 Milliarden Euro.

An der Börse wurden die Zahlen begeistert aufgenommen, wenngleich sich die meisten Analysten wegen der häufigen Änderungen in der Bilanz des Unternehmens außerstande sahen, einen sinnvollen Vergleich mit früheren Ergebnissen zu ziehen. Die Aktie legte in der Spitze 11,8 Prozent auf 20,08 Euro zu und notierte am Vormittag noch 8,3 Prozent im Plus.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters