DaimlerChrysler Scheidung kommt günstiger - viel Geld für Aktienrückkauf

Die Trennung von Chrysler und die Verschlankung der Verwaltung kostet DaimlerChrysler weniger als befürchtet. Zudem hebt der Autobauer die Gewinnprognose für 2007 an und startet ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm. Die Aktie dreht ins Plus.

Stuttgart - Der vor der Umbenennung in Daimler AG stehende Konzern teilte am Mittwoch mit, der mehrheitliche Verkauf von Chrysler belaste das Konzernergebnis in diesem Jahr mit 2,5 Milliarden Euro. Bislang waren Trennungskosten in Höhe von drei bis vier Milliarden Euro eingeplant gewesen.

Der seit 2006 laufende Management-Umbau werde in diesem Jahr mit Kosten von 0,3 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Veranschlagt waren 0,6 Milliarden.

Der mehrheitliche Kauf von Chrysler durch den Finanzinvestor Cerberus wurde Anfang August perfekt gemacht. Dadurch entledigen sich die Stuttgarter milliardenschwerer Lasten für Gesundheits- und Altersvorsorge der Chrysler-Mitarbeiter und Pensionäre. Auch Verträge im Finanzdienstleistungsgeschäft werden abgelöst, was Daimler 25,6 Milliarden Euro an Liquidität einbringt. Über die Verwendung der Mittelzuflüsse will sich das Unternehmen bis spätestens Februar 2008 äußern.

Quartalsergebnis bei 1,4 Milliarden Euro

Im verbleibenden Pkw-, Lkw, Bus- und Finanzdienstleistungsgeschäft verdiente der deutsche Traditionskonzern im zweiten Quartal 2007 bei leicht rückläufigem Umsatz weniger als vor Jahresfrist. Das Ergebnis der fortgeführten Bereiche sei in den Monaten April bis Juni auf 1,443 (Vorjahreszeitraum: 1,804) Milliarden Euro gefallen.

Hauptgrund für das hohe Ergebnis im Vorjahr sei der Sondererlös aus Terminverkäufen von Aktien der Rüstungs- und Luftfahrttochter EADS  im vergangenen Jahr gewesen, der mehr als 800 Millionen Euro einbrachte.

Gewinnprognose auf 8,5 Milliarden Euro angehoben

Der Umsatz sank im zweiten Quartal um drei Prozent auf 23,8 Milliarden Euro. Durch die Verkauf von Chrysler gibt Daimler rund ein Drittel seines Umsatzes ab, wird jedoch weniger anfällig für Wechselkursschwankungen zum Dollar.

Die Prognose für den operativen Gewinn im laufenden Jahr hob das Stuttgarter Unternehmen an. Für den neuen Daimler-Konzern sei in diesem Jahr mit einem Ergebnisanstieg vor Steuern und Zinsen auf 8,5 Milliarden Euro zu rechnen. 2006 hatte sich das Ebit auf fünf Milliarden belaufen.

Bislang hatte der Stuttgarter Autobauer für 2007 einen operativen Gewinn von sieben Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Ab Mitte Oktober wird der Konzern offiziell Daimler heißen.

Aktienrückkauf für 7,5 Milliarden Euro

Anleger nur kurzzeitig enttäuscht

An der Börse reagierten Anleger kurzzeitig mit Verkäufen auf die Vorlage der endgültigen Zahlen. Die mit Spannung erwarteten Kommentare zur Verwendung der Barmittel seien ausgeblieben, klagten Börsianer. Die restlichen Aussagen seien gemischt zu interpretieren.

Zudem seien die Belastungen aus dem Chrysler-Verkauf noch gar nicht verbucht worden, so dass im dritten Quartal noch eine Sonderbelastung von rund drei Milliarden Euro warte.

Aktienrückkauf für 7,5 Milliarden Euro

Zudem startet der Autokonzern ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm. Vorstand und Aufsichtsrat hätten entschieden, knapp 10 Prozent der ausstehenden Aktien im Gegenwert von bis zu 7,5 Milliarden Euro zu erwerben, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Stuttgart mit.

Bis Ende dieses Jahres will der Autobauer Aktien im Wert von rund 3,5 Milliarden Euro kaufen. Bis Ende August 2008 ist dann der Kauf weiterer Aktien im Wert von bis zu 4,0 Milliarden Euro vorgesehen. DaimlerChrysler begründete dies mit der hohen Nettoliquidität im Industriegeschäft sowie guten Ergebnis-Perspektiven in allen Geschäftsfeldern.

Zweitbeste Lösung nach Sonderausschüttung

Dass der Autobauer beschlossen habe, wegen "hoher Nettoliquidität im Industriegeschäft" knapp 10 Prozent der ausstehenden Aktien im Gegenwert von bis zu 7,5 Milliarden Euro zu erwerben, sei zwar positiv zu werten, aber keine Überraschung, sagte ein Händler. Den Aktienrückkauf sähen die Börsianer als zweitbeste Lösung neben der ebenfalls möglichen Sonderausschüttung an, hieß es.

DaimlerChrysler  will in diesem Jahr ungefähr so viele Fahrzeuge wie im Vorjahr verkaufen. Seinerzeit hatte der Automobilhersteller 2,1 Millionen Autos abgesetzt und unter anderem daraus 99 Milliarden Euro erlöst.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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