Nasdaq LSE-Anteile begehrt

Der Übernahmekampf um den nordischen Börsebetreiber OMX könnte die US-Technologiebörse Nasdaq noch viel Geld kosten. Ihre Anteile an der Londoner Börse LSE stehen daher zum Verkauf und wecken offenbar reges Interesse potenzieller Käufer.

New York/Sydney - Zu den Interessenten an Teilen des Aktienpakets gehören nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Person der transatlantische Börsenkonzern Nyse Euronext  und der australische Konkurrent ASX. Die Nasdaq  verhandele zudem mit der staatlichen Singapurer Holding Temasek, hieß es weiter. Unter den weiteren Interessenten seien auch Beteiligungsgesellschaften. ASX dementierte am Dienstag, den LSE-Anteil kaufen zu wollen.

Die Gespräche befänden sich jedoch noch in einer frühen Phase, sagte der Informant. "Derzeit gibt es keinen Favoriten." Falls die Nasdaq den gebotenen Preis nicht überzeugend finde, werde sie womöglich auch ganz auf den Verkauf verzichten.

Die Nasdaq hatte vergangene Woche den Verkauf ihrer 31-prozentigen Beteiligung an der London Stock Exchange  mit einem Börsenwert von rund 1,6 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, um sich für den Übernahmekampf mit der Börse von Dubai um den nordischen Börsenbetreiber OMX zu rüsten. Die Aktien sind ein Erbe aus dem gescheiterten Übernahmeversuch für die LSE.

Der mit der Angelegenheit vertrauten Person zufolge soll ein einzelner Käufer jedoch für höchstens 29,9 Prozent den Zuschlag bekommen. Gemäß britischem Recht müsste ein Investor, der 30 Prozent an einer Gesellschaft erwirbt, automatisch ein Angebot für das gesamte Unternehmen vorlegen.

Presseberichten zufolge wolle die Nasdaq auch der Deutschen Börse  Aktien des Londoner Betreibers anbieten. Diese hatte Ende 2004 knapp zwei Milliarden Euro für die LSE geboten, das Angebot aber später auf Druck von Aktionären zurückgezogen.

Die Analysten vom Merck Finck schenken diesen Spekulationen allerdings wenig Glauben und bestätigten am Dienstag ihre Verkaufsempfehlung für die Aktien der Deutschen Börse. Lediglich eine komplette Übernahme der LSE-Anteile im Besitz der Nasdaq wäre sinnvoll und könnte ein erster Schritt zu einer Übernahme der LSE sein, hieß es in einer Studie vom Dienstag. Allerdings wäre eine Akquisition der LSE auf dem momentanen Kursniveau für dann geschätzte vier Milliarden Euro schwer zu rechtfertigen.

Ein ASX-Sprecher sagte, für Marktspekulationen über eine Kaufabsicht der australischen Börse für den LSE-Anteil gebe es derzeit keine Grundlage. Vertreter der Nasdaq und der Deutschen Börse lehnten Stellungnahmen ab. Temasek und die Börse Dubai waren zunächst nicht zu erreichen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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